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AnnenMayKantereit live im Berliner Lido: Mit jeder einzelnen Faser der Halsschlagader

„Wir wollten jetzt eigentlich aufhören und haben gar kein Lied mehr“. Mit den vehementen Zugabe-Rufen ihres Publikums hat die Band gar nicht mehr gerechnet, nachdem sie die Bühne schon verlassen hatte. Die Überraschung nimmt man ihr ohne weiteres ab. Am Ende hatten AnnenMayKantereit aber keine Wahl mehr: für ein letztes spontanes Lied kamen sie noch einmal raus. Eine Stunde standen sie da schon auf der Bühne.

Für alle, denen diese Band noch nichts sagt – der komplizierte Bandname setzt sich aus den Namen der Musiker zusammen: Gitarre und Mundharmonika spielt Christopher ANNEN; Henning MAY singt und spielt Melodica und Klavier; Severin KANTEREIT sitzt am Schlagzeug. Die Kölner haben das Lido in Berlin komplett ausverkauft. Das können Publikum und Band schon vor Konzertbeginn sehen, hören und riechen: Bereits vor dem ersten Lied ist es so heiß, dass die ersten Fans Schweißperlen auf der Stirn haben und im Scheinwerferlicht glänzen.

AnnenMayKantereit können es selbst kaum fassen, als sie schließlich die Bühne betreten: „Vor zwei Jahren haben wir vor 40 Leuten gespielt, später vor 120 und dann sogar vor 200 – jetzt hat es sich direkt einfach nochmal verdreifacht“, erzählt Sänger Henning.

Gegründet hat sich die Kölner Band erst 2011. Mit vielen kleinen Straßen-Auftritten haben sie sich seitdem Stück für Stück einem größeren Publikum vorgestellt. „Immer mehr Konzertbesucher können die Texte mittlerweile mitsingen“, freuen sich die Musiker heute.

Einen ersten Hit haben AnnenMayKantereit auch schon. Als die Band in Berlin „Wohin Du Gehst“ anstimmt, tanzt und springt das gesamte Lido. Und tatsächlich: die Fans sind textsicher!

Henning singt von seinen Gedanken an einen Menschen, den er früher einmal gut kannte, nun aber kaum noch trifft: „Manchmal sehen wir uns bei Leuten, die wir beide kennen. Aber anstatt wegzurennen, schauen wir uns heimlich an – weil man sich nicht mehr kennen lernen kann“.

Henning hat eine sehr tiefe Gesangsstimme. Das ist natürlich nichts Ungewöhnliches. Bei seinem zierlichen Auftreten erschreckt man sich allerdings doch erst. Sobald er dann aber singt, erkennen selbst die Besucher in der letzten Reihe, dass er jedes Wort ernst meint: jede einzelne Faser seiner Halsschlagader drückt sich nach außen, wenn er beim Refrain angekommen ist.

„Oft gefragt“ ist seinem Vater gewidmet und endet mit einem Verweis auf Rio Reiser: „Hab’ keine Heimat, ich hab’ nur dich. Du bist zuhause – für immer und mich“.

AnnenMayKantereit holen bei ihrer Musik aber nicht nur textlich weit aus. Sie beziehen sich generell viel auf Einflüsse aus dem Blues, Pop und Rock. Ein Schwerpunkt sind aber definitiv die Singer/Songwriter-Elemente. Die Band selbst beschreibt sich daher so: „Einfach handgemachte Musik.“

Ihr Debüt haben AnnenMayKantereit 2013 komplett selbst aufgenommen und produziert „Uns war es wichtig, das erste Album in Eigenregie zu machen, da wir alles erst mal kennenlernen wollten“, erklären sie ihre damalige Entscheidung.

Durch eine gemeinsame Bekannte konnten sie mittlerweile auch schon als Vorband für Kraftklub spielen. Irgendwann haben dann die Beatsteaks ein Lied der Band im Radio gehört. „Sie waren wohl sehr angetan, woraufhin ihr Management uns eine wirklich liebe Mail mit der Anfrage geschickt hat“, erklären sie die Unterstützung durch die Berliner Band. Denn AnnenMayKantereit sind gerade auch als Vorband mit den Beatstaks unterwegs. Am 9. Oktober spielen sie wieder in der Hauptstadt: dann als Support im SO 36.

Nur blöd, dass die meisten Vorbands keine Zeit für Zugaben bekommen – AnnenMayKantereit würden sie ausnutzen.


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