Bette Midler belebt den Protestsong neu
Die Multitalent-Legende spricht darüber, warum sie Woody Guthries Klassiker zur Anti-Trump-Hymne gemacht hat – und weshalb ältere Generationen die Pflicht haben, Faschismus beim Namen zu nennen.
Wenn man Bette Midler fragt, dann war ihre gesamte Karriere darauf ausgerichtet, genug Freude zu verbreiten, um von „der Tristesse des Alltags“ abzulenken.
Doch dieser Auftrag hat sie nicht davor bewahrt, über die rasante Eskalation der zweiten Trump-Regierung immer wütender zu werden – über Kriegsprofiteure, anti-trans-Rhetorik und extralegale ICE-Razzien, darunter jene, die zum Tod der Minnesotaner Alex Pretti und Renee Good führten. „Der Wahnsinn, der gerade passiert, diese beispiellose Zerstörung jeglicher Normalität, hat mich sehr mitgenommen“, sagt Midler gegenüber ROLLING STONE aus ihrem Zuhause in Los Angeles. „Ich habe neulich mit Jane Fonda gesprochen, und sie sagte: ‚Wir brauchen eine Hymne.‘ Also habe ich mich durch ein paar Kataloge gewühlt, und ein alter Woody-Guthrie-Song ließ mich nicht mehr los.“
Der Song aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs – „All You Fascists“, veröffentlicht 1940 – richtete sich gegen die Wahlsteuer, die Jim-Crow-Gesetze und den Rassenhass in den USA. Nun bringt Bette Midler eine Neuversion für 2026, die sie gemeinsam mit Produzent Eric Kornfeld geschrieben hat und die auf Trumps Politik sowie die Notwendigkeit hoher Wahlbeteiligung bei den Midterm-Wahlen zielt. Im Musikvideo, das heute erscheint, ist Midler gemeinsam mit ihrer „Beaches“-Kollegin Barbara Hershey zu sehen sowie bekannte Gesichter wie Schauspieler David Hyde Pierce, Sängerin und Schauspielerin Jenifer Lewis und Broadway-Star Shoshana Bean.
Gegen ICE und Trump
„We’ll battle ICE together/Until they cut and run/Just like in Minneapolis/And when the midterms come“, singt Midler, „You’re bound to lose/You fascists, bound to lose.“ Eine weitere Strophe enthält die Zeilen: „Trying to distract us from the Epstein files/You gas and beat and murder us, protecting pedophiles/Let’s turn the screws/You pervs are bound to lose.“
Für Midler, die den Beginn ihrer Karriere in einer Folk-Gruppe an der Uni verortet, ist diese neue Version von „All You Fascists“ eine direkte Hommage an das Erbe der amerikanischen Protestmusik im politischen Aktivismus der Fünfziger und Sechziger. Diese Ära erinnert sie mit Wärme – und sie ist überzeugt, dass ihre Wiederbelebung nötig ist, um die politische Erschöpfung aufzubrechen, die viele Menschen gerade spüren.
„Damals hatte jeder eine Gitarre und jeden einen Song“, sagt Midler. „Zuzusehen, wie das aufblühte, und die Begeisterung in den Gesichtern der Menschen zu sehen, die merkten, dass sie nicht schweigen mussten – das war ein wunderbares Erlebnis. Ich glaube, wir könnten alle gerade ein bisschen von dieser Bedeutung in unserem Leben gebrauchen. Und als Generation dazustehen und zu sagen, wir hatten das Beste davon, ohne uns umzudrehen und den Menschen hinter uns eine helfende Hand zu reichen – das ist für mich vollkommen inakzeptabel.“