Bob Dylan spielt einen „Basement Tapes“-Song zum ersten Mal live seit der Aufnahme vor 59 Jahren

Nur die eingefleischtesten Fans beim Auftakt von Dylans Sommertour in Troutdale, Oregon, erkannten „Baby, Won't You Be My Baby“ aus dem erweiterten „Basement Tapes“-Boxset.

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Bob Dylan eröffnete seine Sommertour 2026 am Donnerstagabend in Troutdale, Oregon – und gegen Ende des Abends versetzte er seine treuesten Anhänger in Staunen, während der Rest des Publikums wohl eher ratlos dreinschaute: Dylan spielte den „Basement Tapes“-Deepdive „Baby, Won’t You Be My Baby“ zum allerersten Mal live, seit er den Song 1967 mit The Band im Keller von Big Pink aufgenommen hatte.

„Baby, Won’t You Be My Baby“ war auf der offiziellen Veröffentlichung von „The Basement Tapes“ 1975 nicht enthalten und bis 2014 ausschließlich Bootleg-Sammlern bekannt – bis der Track auf „The Bootleg Series Vol. 11: The Basement Tapes Complete“ erschien. Die neue Live-Version hält sich bemerkenswert nah am Original.

Dylan spielt seit Jahrzehnten Songs aus den Basement Tapes, doch dies ist das erste Mal, dass er einen Track aus dem Material bringt, der nicht auf dem 1975er-Paket enthalten war. In seiner gesamten Karriere hat er noch nie so lange zwischen der Aufnahme eines Songs und dessen Live-Premiere gewartet – und es gibt nicht einmal einen annähernd vergleichbaren Fall. Außerdem ist es das erste Mal seit Langem, dass er überhaupt einen Originalsong jenseits des Materials von „Rough and Rowdy Ways“ aus dem Jahr 2020 aus dem Hut zieht.

Vertrautes Set, eine Sensation

Der Rest des Sets dürfte jedem vertraut vorkommen, der Dylan in den vergangenen Jahren beim Outlast Festival erlebt hat. Es umfasst Songs aus seinem riesigen Katalog („To Be Alone With You“, „When I Paint My Masterpiece“, „Under The Red Sky“, „Man in the Long Black Coat“), obskure Coverversionen (Bo Diddleys „I Can Tell“, Jerry Lee Lewis‘ „I’ll Make It All Up to You“, Bobby „Blue“ Blands „Share Your Love With Me“) und gerade mal zwei Songs – „All Along The Watchtower“ und „Rainy Day Women #12 & 35“ –, die ein Gelegenheitsfan wahrscheinlich wiedererkennen würde.

Diese Art von Setlist brachte unlängst sogar Paul McCartney dazu, sich zu beklagen. „Ich war bei ein paar Shows von Bob, und ich konnte nicht erkennen, welchen Song er gerade spielte“, sagte McCartney kürzlich im Podcast „The Rest is Entertainment“. „Das ist schon ein bisschen viel, denn ich kenne sein Werk. Ich verstehe, wenn er ‚Mr. Tambourine Man‘ nicht spielen will. Vielleicht hat er den satt, aber ich würde ihn gerne hören. Und ich habe bezahlt.“

Dylan spielte „Mr. Tambourine Man“ 2025 tatsächlich bei einem einzigen Konzert, ansonsten hat er den Song seit 2010 nicht mehr gespielt. Und seine anderen großen Hits hat er schon vor vielen Jahren aus dem Programm gestrichen. Dazu kommt, dass er seine Setlist kaum noch von Abend zu Abend variiert. Genau deshalb ist „Baby, Won’t You Be My Baby“ eine so gewaltige Überraschung. Wenn ein so seltener Song jetzt im Repertoire auftaucht, scheint plötzlich fast alles möglich.

Wünsche ans Basement

Hey Bob, wenn du schon wieder in den Basement Tapes wühlst: Dürfen wir „I’m Not There“, „Goin‘ to Acapulco“, „I’m Your Teenage Prayer“ und „Sign on the Cross“ vorschlagen? Jeder davon würde mit dieser Band sensationell klingen. Um „See You Later Allen Ginsberg“ bitten wir erst gar nicht. Dafür gibt es keine Welt.

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Das vollständige Setlist von Bob Dylans Konzert am 4. Juni 2026 in Troutdale, Oregon:

  1. To Be Alone With You
  2. I Can Tell
  3. Forgetful Heart
  4. Ax and The Wind
  5. When I Paint My Masterpiece
  6. Early Roman Kings
  7. Under the Red Sky
  8. I’ll Make It All Up To You
  9. All Along the Watchtower
  10. I Contain Multitudes
  11. Rainy Day Women #12 & 35
  12. Share Your Love With Me
  13. Baby, Won’t You Be My Baby
  14. Soon After Midnight
  15. Man In the Long Black Coat
  16. Crossing the Rubicon

Andy Greene schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil