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Ciao, Retromania: The Strypes machen jetzt große Rockmusik


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Ein Heer prominenter Bewunderer – darunter Roger Daltrey, Paul Weller und Jeff Beck – halten The Strypes für die Rettung des Rock’n’­Roll. „Es war, als würde man halluzinieren“, schwärmte Elton John in „Best Thing Since Cavan“, Julien Temples kürzlich veröffentlichter Doku­mentation über den rasanten Aufstieg der Band. „Four kids kicking ass“, die alles über Blues und R’n’B wissen und „nicht wie Justin Bieber sein wollen oder sonst ein künstlich fabrizierter Dreck.“ Wie Aliens seien sie ihm vorgekommen, so Elton John, Aliens, die aufgrund irgendeines Missverständnisses in der Kleinstadt Cavan gelandet sind, die wegen ihres saumäßigen Klimas auch als „Irlands Pisspott“ bekannt ist. Erst kamen nur ältere Männer zu den Gigs, Old-School-Mods und andere Bescheidwisser, die mit väterlichem Stolz verfolgten, wie die Youngster in Hoch-geschwindigkeit durch ihren Garage-Blues-Rock bretterten. Nach gefeierten Festivalauftritten wurde das Publikum dann immer jünger, größer. Und weiblicher. Besonders bei ihren Besuchen in Japan lösten die Strypes mitunter eine fast an Beatlemania grenzende Hysterie aus.

Die Band verheimlichte nie, dass sie Vorbilder wie Pete Townshend, Ray Davies oder auch Lee Brilleaux von Dr. Feelgood minutiös auf YouTube studiert hat. Doch mit den Eigen­kompositionen auf „Snapshot“, ihrem Debüt von 2013, hatten sie schließlich bewiesen, dass sie kein reines Retro-Retorten-Ding sind. Wie ihre Idole Mick Jagger und Keith Richards stachelten sie sich – inspiriert von alten Blues-Platten – schon früh zu Höchstleistungen an. 2007 rockten sie eine Schulweihnachts­feier mit einem elektrifizierten „Whiskey In The Jar“ − eine Grundschul-Weihnachtsfeier, wohlgemerkt. Bis jetzt hat noch keiner von ihnen das 20. Lebensjahr erreicht. Bis jetzt schien alles offen für die Strypes.

Die Euphorie, die entsteht, wenn einen die eigenen Vorbilder in den Himmel loben, offenbarte jedoch bald eine dunkle Kehrseite, als es darum ging, den Nachfolger zu „Snap-shot“ aufzunehmen. „Du hast dein ganzes Leben für das erste Album, und für das zweite hast du vielleicht sechs Monate. Wir waren ständig auf Tour, wir hatten ja nicht mal sechs Monate, vielleicht waren es sogar nur zwei“, klagt Bassist Pete O’Hanlon über das sprichwörtliche schwierige zweite Album.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Led Zeppelin - „Presence“

Mehr Filler als Killer – aber schon „Physical Graffiti“ im Jahr zuvor war ein Doppelalbum voller Filler gewesen; überraschender, unterhaltsamer Filler. Die Filler auf „Presence“ zeichnen sich durch eine gewisse Stumpfheit aus. Und das ergibt Sinn, denn „Presence“ ist Led Zeppelins „Get Back“. Die einigermaßen zerrüttete Band wollte zurück zum Hard-­ und Bluesrock ihrer frühen Tage, sie nahm die sieben Tracks in knapp drei Wochen auf, verzichtete auf Keyboards und akustische Instrumente, Jimmy Page führte den Taktstock. Es gelang ihm ein unumstrittenes Prachtstück, „Achilles Last Stand“, zehn Minuten wütendes Getose mit sechs übereinandergelegten Gitarrenspuren, das „Kashmir“ der Saison. https://www.youtube.com/watch?v=P-Rf1I9htJk Es…
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