Das politische TV-Duell: Mutter weiß es am besten

Die Kandidaten hatten prominente Unterstützer eingeladen wie bei der Wahl des Bundespräsidenten, und es waren gefühlt dieselben, die noch jedesmal für ihre Partei in die Bresche gesprungen sind: Uschi Glas, die resche bayerische Schauspielerin im Vorruhestand, verließ sich auf die staatsfrauische Erfahrung und den Stoizsismus der Kanzlerin, die sie salopp „Angie“ nennt; und Sebastian Krumbiegel, Vorsteher des Gesangsvereins Die Prinzen, riet Peer Steinbrück: „Charmant bleiben!“

Bei der Ankunft in Berlin-Adlershof gab Steinbrück den kreglen Unterhändler, während Angela Merkel eher grämlich die Stufen zum Begrüßungskommitee hinaufstieg. Für den Herausforderer bot sich hier die letzte Chance, wenigstens die katastrophalen Sympathiewerte aufzubessern, während es für Merkel nur um das ging, was sie am besten kann: abwarten, verteidigen, Erfolge in dürftiger Zeit herausstellen. Tatsächlich attackierte sie Steinbrück einmal mit der Bemerkung, sie denke immer zuerst, bevor sie eine Entscheidung treffe und dann handle. Steinbrück hatte ihren Phlegmatismus in der Spionage-Affäre gerügt. Noch immer setzt Merkel auf „Vertrauen“, obwohl das offenkundig von den Amerikanern missbraucht wurde, und freut sich über Internet-Firmen, die endlich über Drangsalierung durch die NSA sprechen. Steinbrücks harschen Vorwurf, sie habe ihren Amtseid gebrochen, fand sie doch etwas hysterisch. Stefan Raab wollte Steinbrück zur Wiederholung des Vorwurfes drängen, doch der blieb locker.

Raabs vorab umstrittener Auftritt wurde an zwei, drei Stellen erfrischend grell, etwa als er Steinbrück dazu bewegen wollte, als zweiter Mann in einer Großen Koalition zur Verfügung zu stehen. Damit wäre das von der Bevölkerung mehrheitlich gewünschte Dream Team der Krise von 2008 wieder beisammen: Ihre Spareinlagen sind sicher! Merkwürdigerweise hat sich die Ablehnung des Elefanten-Bündnisses („Die radikalen Ränder werden gestärkt“) in emphatische Zustimmung verwandelt – der früher beklagte Stillstand gilt jetzt als wünschenswertes Ziel. Wahrscheinlich dieselben 75 Prozent der Wahlberechtigten, die angeben, ihnen gehe es gut, wünschen sich den größtmöglichen Zusammenschluss. Steinbrück ist frech, forsch und präzise, Merkel betulich, bedacht und nebulös: So könnte es was werden.

Peter Kloeppel knödelte im tiefsten Register mit Bass-Stimme, Anne Will fragte zugleich umständlich und aufgeregt, und von Maybrit Illner erwartete man am Ende den zukunftsfrohen Ausspruch „Viel Glück beim Vermehren der gewonnenen Einsichten!“ In der ARD lobte der entrückte Edmund Stoiber den Einsatz von Stefan Raab, und die Kamera zeigte das spöttische und ungläubige Lächeln von Anne Will.

Erwartungsgemäß hat Peer Steinbrück zwar gewonnen, aber nicht gesiegt, denn die eiserne Kanzlerin verhaspelte sich nicht, intonierte gefällig ihre Stanzen und bleibt die Mutter der Nation. Peer Steinbrück mag biologisch älter sein – neben Angela Merkel wirkt er stets wie ein begabter, aber zu rauflustiger alter Junge.  


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