RS-Interview

Der erste Punk in Havanna: CJ Ramone über seinen Auftritt in Kuba


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Anmerkung: Dieser Artikel erschien erstmals auf rollingstone.de am 27. November 2015, also rund ein Jahr vor dem Tod Fidel Castros am 25.11. 2016.

Von Jens Fuge

Das Maxim Rock. Ein echter Schuppen unweit des „Plaza de la Revolution“ mitten in Havanna. Kalt, dunkel, hohe Decken. Doch hier spielt die „richtige“ Musik: Rock, Hardcore, Punk, hier treffen sich die Unangepassten, die Rocker, Hippies und Punks. Lange Haare und Iros, Mariuhana und lässige Attitüde. Als CJ Ramone seinen ersten offiziellen Auftritt hat, sind sie alle da. Das Konzert ist nicht ausverkauft, am Preis von 20 kubanischen Pesos, einem knappen Euro, kann es nicht liegen. Die bezahlt man auch für eine Büchse „Bucanero“ oder „Cristal“-Bier im Maxim Rock.
Maria, eine kleine, zierliche Frau in den Fünfzigern, ist die stellvertretende Leiterin des Kulturhauses. Sie kümmert sich an diesem historischen Abend um die Band. Sie sagt: „Alle sind aufgeregt. Für uns ist das ein großer Tag“. Sie liebt den Rock und die martialischen Gestalten, die vor den historischen Gästen aus den USA auftreten. Früher hat sie in einem Betrieb gearbeitet. Buchhaltung. Zu langweilig.

„Tendencia“ und „Zeus“ gehören zur Creme der kubanischen Hardcore-Szene, und sie lassen es gehörig krachen vor den 700 Fans. Nachdem die Ohren fast weggeglüht sind, braucht es noch Geduld, bis kurz vor Mitternacht endlich die Headliner zum Zug kommen. Endlos dauert es, bis das eigens gefertigte Plakat mit der Aufschrift „CJ Ramone“ und „Cuba“ sowie einem Handschlagsymbol endlich hinter dem Schlagzeug hängt, halbwegs gerade und deutlich sichtbar für die Fans. Das ist CJ ganz offensichtlich wichtig, er ist sich der Symbolik dieses ersten Auftritts eines US-amerikanischen Punkmusikers im sozialistischen Inselstaat sehr bewusst.

Für Joey, Johnny und Dee Dee

Das Set beginnt mit dem Klassiker „Blitzkrieg Bop“, so wie 95 Prozent der Songs von den legendären Ramones stammen. Nur einige wenige eigene Titel bringt CJ an jenem Abend, aber das kratzt keinen der gutgelaunten Fans. Irgendwo im Dunkel des Maxim Rock bildet sich ein Pogo Pit, in dem wild Tanzende einander attackieren und umzureißen versuchen. Die Stimmung ist blendend, „Sheena is a Punkrocker“ reißt alle mit. Bei „I wanna be your boyfriend“ blicken die Ami-Jungs von der Bühne auf die Herzen, die die kubanischen Mädels mit den Händen formen, bei der Ansage für „Three Angels“ gedenkt CJ seiner verstorbenen Kumpels Joey, Johnny und DeeDee, was vom Publikum andächtig goutiert wird. „Rockaway Beach“, „The KKK took my Baby way“ und „Do you wanna Dance“ lassen den Saal glühen. CJ alias Christopher Joseph hat Spaß, auch als Gastschlagzeuger John Frochaux einen anderen Song spielt als die Band. Lachend beginnen sie erneut. Irritierend für die Musiker nur, dass die Zugabe nur sehr verhalten gefordert wurde – andere Länder, andere Sitten! So reichte das krachende „Ramones“ am Ende aus, um die Fans zu befriedigen.



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