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Der RS-Fragebogen mit Michelle Zauner

Hierzulande ist die in Seoul geborene Tochter einer Koreanerin und eines Amerikaners vor allem als Sängerin und Songwriterin von Japanese Breakfast bekannt. Doch es war ein berührender Essay über den Tod ihrer Mutter im „New Yorker“, der die in Eugene/Oregon aufgewachsene Zauner 2018 über Indie-Pop-Kreise hinaus bekannt machte. Aus dem vielgeklickten Text hat sie 2021 ein Buch gemacht, „Crying In H Mart“, das nun auch in deutscher Übersetzung als „Tränen im Asia-Markt“ (Ullstein Verlag, 18 Euro) erscheint. Zauner schildert hier nicht nur eindrücklich die Trauer und den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen, sondern auch den Verlust eines Teils ihrer kulturellen Identität, denn ihre Mutter war der Zugang zu Traditionen und Kultur ihrer koreanischen Heimat. Und die vermittelte sie vor allem durch das Essen, das sie zubereitete. So ist „Tränen im Asia-Markt“ auch ein Buch über die Aromen und Gerichte der koreanischen Küche. Gerahmt sind diese Geschichten, Geschmäcker und Gerüche von einem Gang durch den titelgebenden Asia-Markt (beziehungsweise, genauer: durch den „H Mart“, denn so heißt eine amerikanisch-koreanische Supermarktkette).

 

Was war dein letzter Ohrwurm?

Ich habe kürzlich „Jesus Etc“ mit Wilco bei ihrer Einführung in die Austin City Limits Hall of Fame gespielt, also hatte ich dieses Lied die letzte Woche in meinem Kopf.

Wann hast du zum letzten Mal ein ganzes Album durchgehört? Welches Album war es?

Das fantastische neue Album meiner Freundin Hand Habits „Fun House“.

Welchem (relativ) unbekannten Album wünscht du ein größeres Publikum?

Das „Fun House“ von Hand Habits!

Welche(r) Musiker*in wärst du gern gerne mal für einen Tag? Und in welcher Phase ihrer/seiner Karriere?

Ich wäre gerne für einen Tag Frank Ocean. Ich habe das Gefühl, dass unsere Herangehensweise an Musik so anders ist und ich würde gerne die Gelegenheit haben, seine Brillanz aus erster Hand zu entdecken.

Welchen von jemand anderem komponierten Song hättest du gern selbst geschrieben?

„Here You Come Again“ von Dolly Parton.

Angenommen du hättest einen Roman mit einer/einem wirklich abgrundtief bösen Protagonistin/Protagonisten geschrieben – welche Musik würde die/der hören?

Sie verdienen nicht einmal negative Presse.

Was war das letzte richtig gute Buch, das du gelesen hast?

Ich habe „Jane Eyre“ zum ersten Mal gelesen und habe es wirklich genossen.

Welche literarische Figur hättest du gern als Freund*in?

Jo March (aus Louisa May Alcotts Roman „Little Women“).

Welchem Buch wünscht du mehr Leser*innen?

„Housekeeping“ von Marilynne Robinson.

Welchen literarischen Klassiker hast du nicht zu Ende gelesen und warum?

„Sinn und Sinnlichkeit“. Ich wollte letzten Februar alle Bücher von Jane Austen lesen, aber ich wurde einfach in einen Wirbelwind der Presse verwickelt und kam nie dazu, es zu Ende zu lesen. Vielleicht werde ich es nächsten Februar noch einmal besuchen!

Wie organisierst du deine Bücher?

Alphabetisch nach Nachnamen der Autoren.

Gibt es ein Buch in deiner Sammlung, das uns überraschen könnte?

Ich bin mir nicht sicher, ob es überraschend ist, aber ich habe früher in einem Comicladen gearbeitet, also habe ich eine ziemlich große Sammlung von Comics. Einer meiner Favoriten ist die komplette Akira-Serie.

Wie würdest du „Tränen im Asia-Markt “ einem Freund beschreiben?

Ein Liebesbrief an meine koreanische Mutter.

 

„Tränen im Asia-Markt“ erschien im Ullstein Verlag.