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Willander sieht fern

Drittletzte “Wetten, dass..?”-Sendung: Metrosexualität überall

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Willander sieht fern

Drittletzte “Wetten, dass..?”-Sendung: Metrosexualität überall

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Wir werden „Wetten, dass ..?“ vermissen. Wo sonst doziert ein geschwätziger Launebär über die unterschiedlichen Geräusche von Mausefallen, wo sonst sitzt Diane Keaton neben dem Witzbold Ralf Schmitz und dem Fußballspieler Benedikt Höwedes, identifiziert ein Pärchen seine Hunde anhand von Gebissabdrücken und Sabber auf Frisbee-Scheiben, werden die Bewohner von Erfurt dazu aufgefordert, mit Surfbrett vor der Messehalle zu erscheinen?

Nach zwei Stunden hatte Diane Keaton jeden verfügbaren Mann auf den Mund geküsst, und Markus Lanz sagte: „Das war ganz großes Kino.“ Die überkandidelte, aber stets unterhaltsame Keaton lobte: „Ist eine nette Show.“ Das ist sie. Sie hat einen netten Moderator, der immerzu etwas „ganz entspannt“ findet, obwohl er überhaupt nicht entspannt ist. Auch Megan Fox war nicht entspannt, als sie einen neuen Film mit den Ninja Turtles vorzustellen hatte und sich zunächst dem Fragesteller Lanz nicht zuwandte, um sich dann möglichst unauffällig von dem zotigen Ralf Schmitz abzuwenden. Schmitz gab den Clown und Stänkerer, weil Atze Schröder bei der witzlosen Stadtwette mit Janine Reinhardt gebraucht wurde.

Der junge Fußballweltmeister Benedikt Höwedes traf den alten Fußballweltmeister Horst Eckel, das geht immer, und der Regisseur Sönke Wortmann, der mit Kinnbart aussieht wie ein Gartenzwerg, durfte das Musical „Das Wunder von Bern“ ankündigen, das nach seinem Film inszeniert wurde und das er gut findet. Von der maskenhaften Megan Fox war zu erfahren, dass sie ein Kind geboren hat und jemand der Vater ist. Irgendwann ging der Flieger, Megan Fox und ihr Filmpartner Will Arnett mussten aufbrechen, Horst Eckel ging auch, und die Fox trug ihm, auf ihren Stöckelschuhen trippelnd, das Mikrofonkabel hinterher.

Man erfuhr, dass es Bryan Adams noch gibt, der die Haare sehr kurz und zurückgekämmt trägt, ebenso wie Bill Kaulitz, der Sänger von Tokio Hotel, die ihren neuen Song vorstellten. Will Arnett und Ralf Schmitz haben die Haare dagegen nach vorn gekämmt, Benedikt Höwedes ließ sich gerade zusätzliches Haupthaar implantieren, Markus Lanz fixiert den kecken Scheitel mit Gel. Dann kam auch noch Wolfgang Joop: Metrosexualität überall. Joop machte zungenschwer einen Witz über Benedikt Höwedes, aber niemand erinnert sich an Lena Gercke. Megan Fox sehe aus wie „die teurere Schwester von Micaela Schäfer“. Mode sei heute nur noch „Befindlichkeit“, entschied der Schneider. Die heitere Stimmung sank in den Bereich der schlechten Laune.

„Wetten, dass ..?“ war immer eine Mischung aus Flohzirkus, Musikladen und Jahrmarkt, die Gäste auf dem Sofa passten nie zueinander, die Wettpaten nicht zu den Wetten, die Musikbeiträge nicht zur Plauderei – und gerade dieser vollkommen sinnlose Firlefanz machte die Faszination aus. Es ist nicht so, dass die Show langweiliger geworden wäre – wir sind ungeduldiger geworden. Stefan Raab quält sich vier bis fünf Stunden durch die öden Prüfungen von „Schlag den Raab“ – dagegen ist „Wetten, dass?“ ein Füllhorn von Menschen, Tieren, Sensationen. Jetzt schauen wir noch die letzten beiden Sendungen. Ganz entspannt.

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