Dschungelcamp: Er kam, siegte und ging


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„Ich stinke innerlich“, zürnte Vincent Raven. „Ich bin nicht in Scheiße gefallen – ich bin Scheiße, verstehst Du?“ Martin Kesici, der mit dem Magier und Handleser auf dem Weg zum Tümpel war, gab sicherheitshalber Verständnis vor. Der schweizerische Exzentriker – schon zum „Alpen-Ayatollah“ und „Toblerone-Taliban ernant – hatte sich schrecklich aufgeregt, nachdem er bei einer Sonderübung in übel riechendes Wasser gefallen war. Im Lager wollte Vincent auch der neben ihm sitzenden Brigitte Nielsen eine Nase gönnen, furchterregend „Ich stinke überall!“ brüllend – doch die Dänin, mittlerweile einer Skulptur ähnelnd, wandte sich verärgert ab. Die anderen Camper sahen dem heiligen Zorn fassungslos und betreten zu wie einem Naturschauspiel. Vincent duschte dann – nach sechs Tagen tat es ihm gut.

Danach wollte er den Dschungel auch nicht mehr verlassen. Vorher hatte Vincent mit seinem Abgang gedroht – „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ könne er indes nicht rufen, es müsse heißen: „Ich bin bekannt – holt mich hier raus!“ Denn bei den Teilnehmern handle es sich nicht um Stars – mit Ausnahme von Brigitte Nielsen, die Schauspielerin in Hollywood sei. Merkwürdigerweise war dies das erste Mal, dass einer der sogenannten Prominenten die Maske fallen und nicht nur das menschliche Antlitz erkennen ließ, sondern auch phänomenologisch, ja semiotisch dem Charakter des Experiments auf den Grund ging. Vor der Entlarvung des Sendungstitels hatten sogar Kaliber wie Caroline Beil und Desiree Nick zum Selbstschutz zurückgeschreckt. Vincent Raven aber war außer sich. Er bleibt, aber er wirkt wie sediert. In ihm fault das Unbehagen weiter.

Nach dem Verlöschen von Daniel Lopes wäre es der zweite Fall von melancholischem Rückzug im Dschungel-Camp. Martin Kesici erfuhr bei einer Prüfung mit Getier, darunter Skorpionen, in der Wald-Telefonzelle eine überraschende Wieder, ja Erstmalsbelebung.  Bisher war er als Phlegmatiker mit Hang zur Produktion von heißer Luft und modrigen Winden aufgefallen und befasste sich liebevoll mit seiner wuchernden Haarpracht – doch in schwerer Not waren Berliner Witz und Fatalismus parat; auch konnte Kesici genügend Fragen beantworten und sieben Sterne mitnehmen. Sogar Sonja Zietlow staunte darüber, wie sympathisch der Minimalist wirkte. Das muss der Gelegenheits-Sänger gemerkt haben: Als wir zu Bett gingen, verabschiedete sich Kesici aus dem Camp.

Nun wird es allmählich einsam um Brigitte Nielsen. Die sieht jeden Tag stählerner, blonder und androgyner aus (man hörte schon „Wolfgang Joop“) und bleibt stoisch. Bei jeder Nominierung zur Dschungel-Prüfung ruft sie „Oh mein Godd!“ Und heute ist sie natürlich wieder dran – bevor die Abwahl beginnt.