EBU verschärft ESC-Regeln: Hilft die Maßnahme gegen Boykott-Drohungen?
Reichen diese Maßnahmen aus, um die Wogen um den ESC und Israels Teilnahme zu glätten?
Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat umfassende Reformen für den Eurovision Song Contest beschlossen – offenbar, um das Vertrauen in den Wettbewerb zu stärken und die jüngsten Boykott-Drohungen mehrerer Länder abzuwehren. Die neuen Vorgaben sollen den Contest politisch entlasten, Manipulationsvorwürfen vorbeugen und die Abstimmungsprozesse transparenter machen.
ESC-Direktor Martin Green erklärte, der ESC müsse ein „neutraler Raum“ bleiben und dürfe nicht zum Spielball externer Interessen werden. Insgesamt führt die EBU vier zentrale Regeländerungen ein.
Die Jury kehrt ins Halbfinale zurück und soll verjüngt werden
Nach dreijähriger Pause werden die Jurywertungen wieder Teil der Halbfinal-Ergebnisse. Statt wie bisher fünf sollen künftig sieben Musikprofis pro Land abstimmen, darunter mindestens zwei Personen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Die EBU will damit die starke Präsenz junger Zuschauer auch im Jurygremium widergespiegelt sehen.
Einschränkungen für staatlich unterstützte PR-Kampagnen
Promotion für Acts bleibt erwünscht. Aber gezielte Werbeaktionen, die von Regierungen oder staatlichen Stellen organisiert oder finanziert werden, sollen künftig unterbunden werden. Die EBU verbietet den Sendern, sich an solchen Kampagnen zu beteiligen. Hintergrund sind Berichte über von israelischen Behörden finanzierte Online-Werbung, die gezielt zur Stimmabgabe für den israelischen Beitrag aufrief.
Halbierung der maximalen Zuschauerstimmen
Bisher konnten Fans bis zu 20 Stimmen abgeben. Ab 2026 wird die Höchstzahl auf zehn Stimmen pro Zahlungsmethode (Online, SMS, Telefon) begrenzt. Zudem ermutigt die EBU die Zuschauer, ihre Wertungen stärker zu streuen. Auch diese Änderung reagiert auf Kritik an der intensiven Online-Werbung, die 2025 Fans dazu animierte, sämtliche 20 Stimmen einem einzigen Beitrag zu geben.
Mehr technische Sicherheitsvorkehrungen gegen Manipulation
Gemeinsam mit dem Abstimmungsdienstleister Once will die EBU die Systeme weiter ausbauen, um koordinierte Abstimmungsaktionen oder betrügerische Muster besser zu erkennen. Zwar sei das Ergebnis des ESC 2025 „valide und robust“, betont Green, dennoch wolle man das Vertrauen in die Integrität der Wertungen stärken.
Boykott-Drohungen und Spannungen um Israels Teilnahme
Der israelische Beitrag „New Day Will Rise“ von Yuval Raphael hatte 2025 stark polarisiert: Während der Song im Juryvoting nur Platz 15 erreichte, gewann er das Televoting deutlich und landete insgesamt auf Platz zwei. Umgekehrt fiel die Schweiz trotz Platz zwei bei den Jurys durch null Publikumspunkte auf Rang zehn zurück – ein weiteres Beispiel für die zunehmenden Diskrepanzen zwischen Jury- und Publikumswertungen.
Mehrere Länder, darunter Spanien, Irland und die Niederlande, stellten danach ihre Teilnahme infrage, sollte Israel erneut antreten dürfen. Neben politischen Gründen standen Vorwürfe im Raum, Israel habe durch seine Online-Kampagnen das Televote beeinflusst. Gleichzeitig sprachen sich Politiker in Deutschland und anderen Staaten gegen einen Ausschluss Israels aus.
Bei der EBU-Generalversammlung Anfang Dezember in Genf soll über die Teilnahme der Sender für 2026 entschieden werden. Der Wettbewerb findet nach dem Sieg von JJ im kommenden Jahr in Wien statt. Der ORF zeigt sich optimistisch und hofft trotz der Debatten sogar auf eine Rekordzahl an teilnehmenden Ländern.