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Ein nerviger, sexbesessener, eingebildeter Typ!

Geständnis: Ich mag Charlie Sheen nicht. Ich fand seine stumpfe Figur in „Two And A Half Men“ albern und seine privaten Eskapaden nicht viel lustiger. Und trotzdem weiß ich alles über ihn: welches Problem er gerade hat, wie seine Ex-Frauen heißen, wer gerade das Sorgerecht für die Kinder hat. Dem Mann und seiner Entourage konnte man in den letzten Jahren einfach nicht entkommen, wenn man sich für Fernsehen und Popkultur interessiert. Er war nicht nur der bestbezahlte Seriendarsteller der Welt, sondern wahrscheinlich auch der bekannteste. Umso erstaunlicher, dass kein einziger deutscher TV-Sender schnell reagiert hat, als er nach dem Rauswurf bei Chuck Lorre in einer neuen Serie auftauchte, die auch noch viel Gesprächsstoff versprach, weil sie doch schon „Anger Management“ hieß. Bereits im Juni vergangenen Jahres lief sie in den USA an. Zwar hat sich die Tele München Gruppe die Ausstrahlungsrechte gesichert, aber bis heute lief hier: nichts. Dabei könnte zum Beispiel Vox eine unterhaltsame neue Serie durchaus brauchen.

Jetzt kann man die ersten beiden Staffeln immerhin bei Watchever oder iTunes anschauen. Und siehe da: Ich mag diesen Charlie Goodson. Er ist auch ein nerviger, sexbesessener, eingebildeter Typ, doch nicht so eindimensional wie Charlie Harper. Goodson hat eine richtige Arbeit: Er hat Psychologie studiert und ist nun Anti-Aggressions-Trainer, muss allerdings feststellen, dass er selbst seinen Zorn wieder mal nicht im Griff hat. Er war einst Baseballspieler, bis er sich selbst in einem Wutanfall das Knie zertrümmerte, und wenn die Tochter in Gefahr ist oder die Gesamtsituation nervt, dann geht er schon mal auf andere mit einer Lampe oder einer Ketchup-Flasche los. Also begibt er sich in Therapie – bei seiner besten Freundin Kate (Selma Blair), mit der er nebenbei auch noch schläft.

Die Zutaten von „Anger Management“ sind nicht gerade innovativ: ein überforderter Vater, eine zwangsgestörte Teenager-Tochter, ein paar skurrile Patienten, nie nicht wirklich furchteinflößend, sondern eher possierlich sind – und gerade mal 20 Minuten pro Episode. Das reicht nur für kleine Geschichten, aber messerscharfe Dialoge und perfekte Situationskomik. Die Klugscheißereien, zu denen sich Psychologe Charlie permanent hinreißen lässt, sind natürlich so komisch, weil im nächsten Moment Wutkopf Charlie jede Theorie zunichte macht. Und wenn Sheen eines kann, dann das, was eine gute Sitcom ausmacht: Er liefert die geschliffensten, pointiertesten Sätze so ab, als wären sie ihm tatsächlich gerade eingefallen.

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Kann schon sein, dass man all das besonders lustig findet, weil man immer wieder glaubt, den echten hinter dem gespielten Charlie zu sehen – „Anger Management“ spielt natürlich genau mit dieser Gratwanderung. Als schließlich auch noch der superstrenge Vater vorbeischaut, verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit endgültig: Er wird dargestellt von Martin Sheen.

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