Elbow: Guy Garvey im Videointerview


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Die Kollegen von Welt TV sprachen mit Elbow-Sänger Guy Garvey über das kürzlich erschienene und recht tolle Album „Build A Rocket, Boys!“ Da Mr. Garvey gerade außer Landes weilte, fand das Interview via Skype statt. Mal was Neues. Hier ist es – und im Anschluss gibt es nochmal unser von Max Gösche geschriebenes Feature.

Pop und Pathos werden in letzter Zeit wieder ohne Ironie serviert. Das Rezept: innovative Indie-Klänge auf großer Mainstream-Flamme kochen. Die Zutaten: viel Hall auf Stimme und Instrumenten, gebetsmühlenartiges Wiederholen und wenig Songwriting. Das Ergebnis: das neue Album „Build A Rocket Boys!“ der britischen Band Elbow.

Im Interview kocht Sänger Guy Garvey lieber auf Sparflamme. Man gibt sich gern bescheiden. Zum Beispiel, wenn es um den Erfolg ihres letzten Albums „The Seldom Seen Kid“ geht. „Wir leben seit über zehn Jahren von unserer Musik. Klar kommen einem manchmal Gedanken wie: ‚Wenn das nicht funktioniert, sind wir total am Ende.‘ Doch dann sagen wir uns: ‚Hey, wenn das Album nur halb so gut verkauft wie das letzte, ist es in Ordnung'“, sagt Garvey. Das sollte ihnen mit „Build A Rocket Boys!“ gelingen. Viele Stücke klingen ebenso eigenwillig wie massenkompatibel. Elbow sind der Beweis, dass diese Attribute in keinerlei Widerspruch zueinander stehen müssen.

Gemeinhin setzen sich Musiker nach kommerziellen Erfolgen stark unter Druck, um den Erwartungen der Branche gerecht zu werden. Nicht so bei Elbow. „Der Hype hat uns zwar gefreut, aber uns bei der Entstehung des neuen Albums keineswegs negativ beeinflusst. Wir haben uns ja nicht hingesetzt und versucht, ‚The Seldom Seen Kid, Part II‘ zu machen“, so Garvey – imitiert das eindringliche Raunen eines Radiomoderators – „oder ‚Twelve Stadium Hits.'“ Er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Bedenkt man, dass Elbow streng genommen alte Hasen im Geschäft sind, verwundert das nicht. 1990 gründete Garvey zusammen mit Gitarrist Mark Potter die Band Soft, die sie wenig später in Elbow umbenannten. Der erste Plattenvertrag folgte jedoch erst 1997 beim Label Island Records. Weitere drei Jahre vergingen bis zur Veröffentlichung ihres Debüts „Asleep In The Back“. Das Album wurde ein Achtungserfolg. Beim Glastonbury Festival 2002 sangen dann bereits Tausende Besucher die Zeile „We still believe in love, so fuck you!“ ihres Songs „Grace Under Pressure“, nachzuhören auf der Platte „Cast Of Thousands“.

Guy Garvey schätzt gigantische Klangkulissen: „Große Räume bedeuten: mehr Leute, mehr Stimmen, mehr Spaß. Wir lieben es einfach, große Menschenmengen zum Singen zu bringen.“ Die Songs auf „Build A Rocket Boys!” verströmen einen nahezu kathedralischen Sound. „Wir haben mal in einer Synagoge in Washington gespielt. Das war überwältigend“, erinnert sich Bassist Pete Turner. Etwas Kirchlich-Weihvolles wohnt auch der Musik von Elbow inne. Oft ist es nur eine einzige Idee, ein Akkord, eine einfache Rhythmik, aber die bis zur Ekstase ausgereizt. Das Minimalistische des neuen Albums hat durchaus seinen Reiz, nur blasen Elbow immer gleich alles zum Stadion-Hymnus auf. Im Leisen sind sie dagegen meisterlich, lassen sogar Vergleiche mit Talk Talk oder John Cale zu. „Als wir erfuhren, dass Cale unsere Musik liebt, wollten wir es erst gar nicht glauben“, schwärmt Garvey über einen seiner Helden.

Auch Coldplay und U2 gehören mittlerweile zur Fanbase von Elbow. Für beide haben sie als Vorband gespielt. Beide könnten ihnen 2011 noch die Suppe versalzen. Mit noch mehr Pathos und garantiert ironiefrei.