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„Er sang über den Tod, Heroin und Hundescheiße – aber auf poetische Art“: Die irrsinnige Karriere von Kim Fowley


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Produzentenlegende Kim Fowley ist am Donnerstag (15. Januar) im Alter von 75 Jahren gestorben. Im Juli 2012 widmete ROLLING STONE ihm ein Porträt.

Kim Fowley – Der Tod als Projekt

ROLLING STONE 07/2012

Von Eric Pfeil

Kim Fowley sitzt im Krankenhaushemdchen auf einer Liege des St. Vincent Medicine Center in Los Angeles. Es ist der 21. Februar, kurz vor acht Uhr früh. Er werde sich gleich einer Blasenkrebs-Operation unterziehen, berichtet Fowley und fügt hinzu: „This operation is dedicated to the love of my life, Snow Mercy.“ Besagte Snow Mercy – Domina in Los Angeles, Fowleys Geliebte, Muse und Krankenschwester – ist es auch, die für die YouTube-Gemeinde Fowleys bizarre Ansprache festhält. Die beiden haben sich im letzten Jahr auf einer Halloween-Party kennengelernt, seither hält die Mitzwanzigerin Fowleys Aktivitäten für die Nachwelt fest. „Falls ich es heute nicht schaffe“, fährt Fowley mit brüchiger Stimme fort, „sehen wir uns in der Ewigkeit.“ Eine Jesus-Statue wird eingeblendet. Wenn aber alles gut geht, so der begnadete Showmann, sehe man sich dann in Detroit, wo sieben Tage später ein Auftritt Fowleys mit seinen Psychedelic Dogs stattfinden soll.

Am Schluss des Filmchens fordert der 72jährige Respekt für die vielfach begabte Snow Mercy, die nun passenderweise in einem blauen Latexkostüm eingeblendet wird. Er krakelt noch etwas in seiner Patientenverfügung herum, dann wird er im Rollstuhl zum OP-Saal gefahren. Auf Facebook veröffentlichte er zuvor ein Statement, in dem er darum bittet, für ihn zu beten. Und was seine Feinde betreffe: „Be careful, because only the good die young and Kim Fowley is hard to kill, and slow to die.“

Exakt zwei Monate später. Gemeinsam mit Snow Mercy betritt Kim Fowley den schummrigen Kölner Club King Georg, wo er am Abend im Rahmen seiner Europatournee auftreten soll. Der Tod sei sein nächstes Langzeitprojekt, hatte er zuvor verkündet, man möge doch bitte Kameras zu den Konzerten mitbringen, um die magischen Lippenbewegungen eines Todgeweihten für die Enkel festzuhalten. Wie bei jedem dieser Konzerte trifft er seine jeweiligen Begleitmusiker, die vom Veranstalter vor Ort zusammengetrommelt wurden, beim kurzen nachmittäglichen Soundcheck zum ersten Mal.



TV-Tipp! „Loveparade – Die Verhandlung“: Wer ist verantwortlich?

Der Regisseur und Dokumentarfilmer Dominik Wessely hat den Gerichtsprozess zum Loveparade-Unglück von Anfang an begleitet. Daraus entstand sein Film „Loveparade - Die Verhandlung“. Die Doku ist am Mittwoch (15. Juli 2020) um 22:00 Uhr bei Arte zu sehen und am 22. Juli 2020 ab 22.45 Uhr im „Ersten“. Am 8. Dezember 2017 begann das Verfahren, das klären sollte, wie 2010 bei dem Technofestival in Duisburg 21 Menschen im Gedränge sterben und über 600 wurden verletzt werden konnten. Zudem sollen einige Überlebende aufgrund anhaltender seelischer Belastungen später Selbstmord begangen haben. Die Opfer kamen aus Deutschland, Australien, China, Spanien, Italien und Holland.…
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