Logo Daheim Dabei Konzerte

Zugabe!

Weiterempfehlen!
  • Mail Icon
  • Mail Icon
  • Mail Icon
  • Stunden
  • Minuten
  • Sekunden
Blackout Tuesday

Eric Pfeils Pop-Tagebuch: In Tom’s Diner, nachts

Folge 192

Yippie. Jetzt müssen wir nur noch den Weihnachtsfirlefanz hinter uns bringen, dann darf sich auch schon über die zahlreichen Jubiläen des ­kommenden Jahres gefreut werden. Sie wissen schon: 50 Jahre „Let It Be“ und ­Beatles-Auflösung, 40 Jahre „Remain In Light“ von den Talking Heads und 10 Jahre „Atzen Musik, Vol. 2“ von Die Atzen.

Das für Ihren Autor interessanteste zu revivalnde Jahr aber ist 1990. Das erste ­Album von A Tribe Called Quest erschien, das erste (und letzte) Album von The La’s, „Goo“ von Sonic Youth – und eine meiner ewigen Lieblingsplatten, „Eye“ von Robyn Hitchcock. Den Großteil des Jahres verbrachte ich als Zivildienstleistender in einem Krankenhaus, wo ich in einem kleinen Pförtner-Kabuff Nachtschicht schob. Ursprünglich arbeitete ich auch tagsüber, doch nachdem mehrere Ärzte Anstoß an meiner experimentellen Frisur (irgendwo zwischen Blixa Bargeld und einem unschönen Tierversuch) ­genommen hatten, wurde ich zum Nachtdienst verdonnert.

Ich habe diese einsamen ­Dienstnächte geliebt. Es gab so gut wie nichts zu tun. Ab und zu kam ein selbst ernannter Notfall vorbei, dem ich den Weg zur Ambulanz weisen musste, manchmal galt es auch, telefonisch den diensthabenden Arzt für den Notarztwagen zu wecken. Ansonsten saß ich rum, hörte Musik, schmökerte in Musik­zeitschriften und spann große Ideen hinsichtlich meiner späteren Popstar-­Karriere, deren Grundstein ich bereits mit halsbrecherischen Vier-Spur-Aufnahmen gelegt zu haben glaubte. Zwischendurch schaute ich Fernsehen. Es war, wenn ich mich recht entsinne, der Sender Tele 5, der mich durch die Nacht begleitete. Dort wurden damals, in den schwierigen Jahren zwischen „Formel Eins“ und MTV, nachts nonstop Musikvideos gezeigt. Die beiden Clips, die am häufigsten gezeigt wurden, waren „I’ve Been Thinking About You“ von Londonbeat und „Tom’s Diner“ von Suzanne Vega in der DNA-Remix-Version. Ich werde beide Songs für den Rest ­meines Lebens lieben, denn sie künden mir erscheinungszeitpunktbedingt mindestens ebenso sehr von den Köstlich­keiten und Verheißungen eines musikbefeuerten Lebens wie die oben genannten Kanon-Platten aus demselben Jahr.



Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Drei Zimmer, drei Plattenspieler

Folge 208 In meiner letzten Heft-Kolumne berichtete ich über ulkige Erlebnisse auf Tour. Der Text stammte aus dem späten Februar. Als er erschien, las er sich wie eine Postkarte aus einer untergegangenen Zeit. Aber so ist das nun mal: Die Herausforderung beim Schreiben für ein monatlich erscheinendes Magazin besteht darin, dass die Ereignis-Prallheit zwischen Schreiben und Erscheinen eines Textes mitunter beträchtlich ist. Das gilt natürlich immer. Im Moment scheint es noch mehr zu gelten. Derzeit ist der daheim isolierte Kolumnist geneigt, alles für möglich zu halten: Ich möchte inzwischen nicht ausschließen, dass, wenn Sie diese Zeilen lesen, längst dreiköpfige Außerirdische…
Weiterlesen
Zur Startseite