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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Stayin‘ In With Bob Vol. II


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Folge 47

Hier nun der angekündigte zweite Teil meiner Besprechung der abendfüllenden Doppel-DVD „Bob Dylan – The 30th Anniversary Concert Celebration“. Teil 1 gab es vor zwei Wochen, beim letzten Mal kamen mir andere Themen dazwischen. Nachdem ich mit Teil 1 reich und berühmt geworden bin, erwarte ich mir von Teil 2 nun unter anderem kostenloses Parken auf den Bürgersteigen meines Viertels oder Umsonst-Nachtisch bei meinem Lieblings-Italiener. Man soll ja bescheiden bleiben, die Kirche im Dorf lassen und nicht auf Elefanten durch Glashäuser reiten.

Ich endete vor zwei Wochen mit Ron Woods hysterischem Auftritt bei der großen Sause. Wenn Sie diese DVD mit einer Frau anschauen (und selbst keine Frau sind), könnte nun der Moment kommen, da neben ihnen wohliges Schnurren zu vernehmen ist. Es betritt nämlich Richie Havens die Bühne und bietet das immer wieder als frauenfeindlich bezeichnete Stück „Just Like A Woman“ in einer Weise dar, die zumindest der Dame an meiner Seite sehr zu gefallen wusste. Havens verwendet dabei eine Gitarrentechnik, die ich nicht verstehe, aber das soll nicht viel heißen. Es ist davon auszugehen, dass dem Mann nach vollendeter Darbietung hinter der Bühne sogleich alle Damen an den Hals gesprungen sind. Alle Damen und Ron Wood vermutlich.

Darauf klöppeln sich die rührenden Clancy Brothers durch eine beherzte Fassung von „When The Ship Comes in“: kein trockenes Auge im Haus. Kaum sind die Gebrüder abgegangen, folgt der Auftritt, von dem auch Menschen, die nichts mit Bob Dylan, Bühnenjubiläen oder den Clancy Brothers am Hut haben, schon vernommen haben könnten: Sinead O‘ Connor, die kurz zuvor in einer Talkshow ein Bild des Papstes zerrissen hatte, tritt auf und wird gnadenlos ausgebuht. „Don’t let the bastards get you down“, raunt ihr der rasch herbeigeeilte Kris Kristofferson zu, aber das hat O‘ Connor auch gar nicht vor. Nach einigem Ringen mit der Situation blafft sie eine a-capella-Version von Bob Marleys „War“ ins Rund und geht ab. Hätte man nicht konsequenter lösen können. 10 Punkte.

Es folgt der beste Gitarrist des Abends: Neil Young. Der befindet sich gerade in seiner Grunge-Phase: Irren Blickes jault er sich durch „Just Like Tom Thumb’s Blues“ und „All Along The Watchtower“ und demonstriert dabei mal wieder aufs Schönste seinen Storch-im-Salat-Gang. Man muss das ganz klar so sagen: Alle anderen Gitarristen spielen an diesem Abend ihren typischen Signatur-Sound durch, Young aber hebt ab.

DVD Nummer zwei beginnt mit einem weiteren Highlight: Chrissie Hynde legt in ihrer Version von „I Shall Be Released“ eine interessante Deutung des Dylan-Tonfalls hin und fügt dem Begriff Coolness ein paar bislang unbekannte Bedeutungsebenen hinzu. Über Eric Clapton kann ich nicht viel sagen, da ich nach einer Strophe von „Love Minus Zero/No Limit“ wegdöse, ich erinnere mich nur noch an den ausgesucht fiesen Gitarrensound.

Aufgeweckt werde ich vom abermaligen Schnurren der neben mir sitzenden Dame, das sich wohl dem Auftritt der O’Jays verdankt, die „Emotionally Yours“ darbieten. Danach hätte ich wohl gerne selbst geschnurrt, aber die Herren von The Band sind leider nicht in bester Verfassung. Der große Rick Danko sieht aus, als hätte er Ron Woods Frisur geraucht und der Rest schrubbt arg indisponiert „When I Paint My Materpiece“ herunter. Schon erstaunlich, dass diese Typen überhaupt zu uninspirierten Auftritten in der Lage waren.

Da der Platz knapp wird, springe ich vor zu George Harrison, der mit seinem Schnauzbart und dem lila XXL-Jacket inmitten all der anderen Superrockstars aussieht wie ein englischer Autohändler, der auf Kindergeburtstagen gelegentlich als Magier auftritt. Seltsam, aber toll. Danach schlurfen Tom Petty und die Heartbreakers auf die Bühne und machen aus dem auf „Infidels“ leider etwas unterentwickelten „License To Kill“ einen richtig tollen Song. Der abschließend aufspielende Roger McGuinn war zum Zeitpunkt des Konzerts bereits in jene Phase eingetreten, in der ausschaute wie seine eigene Hausverwalterin; seine Gitarre klingelt indes noch immer so schön wie anno dunnemals.

Dann endlich der Auftritt des Jubilars. Nach George Harrisons Ansage („Some may call him Bobby, some may call him Zimmy … I call him ‚Lucky'“) erscheint ein beinahe gutgelaunt wirkender Bob Dylan und spielt eine, nun ja, interessante Version von „It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)“. Am Ende – das Knabbergebäck ist längst dahin und Bier ist auch keins mehr im Kühlschrank – werden „My Back Pages“ und „Knockin‘ On Heaven’s Door“ vom gesamten Allstar-Ensemble intoniert: Clapton gniedelt, Young antwortet, Johnny Cash und die Clancy Brothers klatschen den Rhythmus, Ron Wood feixt und Sinead O’Connor raucht.

Wo Bruce Springsteen an diesem Abend steckte, weiß ich nicht.  Ich weiß nur, dass ich nie wieder eine Bob-Dylan-30th-Anniversary-Concert-Celebration-DVD besprechen werde.


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