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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Was Drag Queens auf Gitarrenkoffern nicht tun sollten


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Folge 69

Für Zeitgenossen, die sich in Artikeln und Rezensionen mit Musik befassen, endet das Jahr früher. Bereits im November trudeln unzählige Depeschen ein, in denen Menschen, die sich für Jahresbestenlisten interessieren, Jahresbestenlisten einfordern. Dem muss man nachkommen, sonst ist man in der Branche rasch isoliert und/oder muss sich einen seriösen Beruf suchen. Beim Verfassen meiner diesjährigen Jahresbestenlisten (ich gebe überall unterschiedliche Listen ab, damit die Sache unterhaltsam bleibt), ist mir dreierlei aufgefallen:

Erstens: Wieder werden Platten, die ab Mitte November veröffentlicht werden, ungenannt bleiben. Das ist schade, leistet dies doch dem Entstehen einer in keinerlei Listen je genannten Mauerblümchenmusik Vorschub. (Einwurf: „Moment, erscheinen ab Mitte November nicht ohnehin ausschließlich David-Bowie-Best-Of-Zusammenstellungen, Paul-McCartney-Tributes und Weihnachtsplatten?“ Antwort: „Falsch, weiter im Text.“) Man sollte also dringend einen „Club zur Huldigung der ab Mitte November Veröffentlichenden“ gründen und mittels dieser Zusammenrottung lautstark das Loblied auf ab Mitte November erschienene, mithin in den Jahresbestenlisten untergegangene Tonträger singen. Man kann, wo man doch jetzt endlich mal einem Club beigetreten ist, diesen freilich auch dazu nutzen, gemeinsame Plätzchenbackabende zu veranstalten, eine Vereinskasse anzulegen, gemeinsam Motto-Kostümparties zu feiern oder einander bei schwerem Rotwein selbstverfasste Lyrik vorzulesen. Ich finde aber, dass man sich  zunächst auf das Wesentliche, also das Belobhudeln ab Mitte November veröffentlichter Musik konzentrieren sollte.

Die zweite Feststellung: Ich hatte noch nie so viele Frauen in meinen Listen wie 2014. Schuld daran sind unter anderem Jenny Lewis, Sylvie Simmons, die Secret Sisters, Hurray for the Riff Raff und etliche andere. Was das mit den Frauen in meinen Listen zu bedeuten hat, ist mir schleierhaft. Wahrscheinlich gar nichts.

Schließlich drittens: Ich habe im Jahr 2014 wahnsinnig gerne eine Platte gehört, die mir 2013 komplett durchgerutscht ist, nämlich Terry Lee Hales prächtig knarzendes Album „The Long Draw“, eine Platte, die man wunderbar zwischen Dylans Spätwerk und die letzten fünf John Hiatt-Werke klemmen kann. Leute, die mit mürbem Altherrengerumpel nichts anfangen können, würden angesichts dieser Platte allerdings rasch ins Grimassieren geraten.



Sun Ra Arkestra bringt nach 20 Jahren neues Album heraus

Das Jazzkollektiv Sun Ra Arkestra ist dabei, nach 20 Jahren wieder ein Album zu veröffentlichen! Die LP wurde bei Rittenhouse Soundworks in Philadelphia aufgenommen und wird noch dieses Jahr über Strut Records veröffentlicht. Neuer Song „Seductive Fantasy“ Als kleinen Vorgeschmack haben Sun Ra Arkestra eine neue Version des 1979 erschienenen Songs „Seductive Fantasy“ vorgestellt. Der Originaltitel ist auf dem Album „On Jupiter“ enthalten. Zu der neueren Version gibt es auch direkt ein animiertes Video mit dazu, welches vom kanadischen Musiker Chad Van Gaalen kreiert wurde. Seitdem 1993 der Anführer der Gruppe, Sun Ra, verstarb, wird die Band von Marshall Allen…
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