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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Was Dylan und Campino eint

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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Was Dylan und Campino eint

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Folge 81

Vor ein paar Wochen zeigte sich die Chefin meiner Plattenfirma höchst erstaunt, als sie erfuhr, dass ich tatsächlich Pfeil mit Nachnamen heiße. Sie hatte „Eric Pfeil“ immer für einen Künstlernamen gehalten.

Hätte ich mir einen Künstlernamen gegeben, es wäre definitiv nicht „Eric Pfeil“ gewesen. Viel zu gegenständlich. Außerdem gaukelt der Name eine Dynamik vor, die ich in keiner Weise tatsächlich auszustrahlen in der Lage bin. Hätte ich mir einen Bühnennamen ausgesucht, ich hätte wohl etwas mit viel mehr Flamboyanz gewählt: „Knut Esterházy“ zum Beispiel oder „Florian Cloud de Bounevialle O’Malley Armstrong“. Aber dass Menschen auf die Idee kommen, hinter einem Künstlernamen verschwinden zu wollen, kann ich schon verstehen.

Der beliebte Liedermacher Bob Dylan heißt bekanntlich Robert Allen Zimmerman. Zu Beginn seiner Karriere erwog er noch einen anderen Künstlernamen: Elston Gunn. Ich bezweifle, dass er unter diesem nome d’arte ebenso Epochales hätte zustande bringen können. Der Name gibt die Rolle vor, er lässt einen Menschen Möglichkeitsgebirge erklimmen, von denen Zeitgenossen, die einfach Klaus-Dieter Sackhausen o. ä. heißen, noch nicht mal aus beim Arzt herumliegenden Magazinen erfahren. Hätte sich Robert Allen Zimmerman tatsächlich Elston Gunn genannt, wäre er wohl ein solider Postkutschenräuber geworden, der vielleicht mal am ein oder anderen Lagerfeuer an der Mundharmonika dilettiert hätte. Keinesfalls aber hätte er das erste Doppelalbum der Musikgeschichte produzieren, die Rockmusik erfinden und im Alter Frank-Sinatra-Lieder zuschanden singen können.

Oft gibt es gute Gründe, sich einen stage name zuzulegen: Michael Keaton heißt eigentlich Michael Douglas, das ist natürlich blöd. Katy Perry wiederum, die eigentlich auf den Namen Katy Hudson hört, fürchtete eine Verwechslung mit Kate Hudson. Gene Simmons erblickte als Chaim Klein Witz die Welt, was zwar an und für sich ein anbetungswürdiger Name ist, aber nicht eben nach einem Rockgott aus dem Weltraum klingt. Manche Namen sind ihren Trägern aber auch einfach zu lang, um sie etwa auf ein Album mit fader Frauenzeitschriftenmusik zu schreiben. Darum verpassen sie sich ein Pseudonym, das eher nach Kinderspielzeughersteller klingt, wie etwa im Fall der Sängerin Dido, die, wie ich gerade sehe, Florian Cloud de Bounevialle O’Malley Armstrong heißt. Ach, und ich dachte, ich hätte mir den Namen selbst ausgedacht! Es gibt auch wirklich tragische Fälle: Ex-Marillion-Sänger Fish heißt im wirklichen Leben Derek William Dick. Nun ja.

Was passiert eigentlich mit den frei gewordenen echten Namen? Beziehungsweise: Kann man sich, da Declan Patrick MacManus ja inzwischen Elvis Costello heißt, heute in Declan Patrick MacManus umbenennen? Ich hätte durchaus aufrichtiges Interesse am echten Namen von Hulk Hogan: Terry Gene Bollea – ich finde, da lässt sich etwas draus machen, ich weiß nur noch nicht, was. Weitere gute frei gewordene Namen: Henry Garfield (Henry Rollins), Hugh Anthony Cregg III (Huey Lewis), Roberta Joan Anderson (Joni Mitchell).

Die meisten deutschen Musiker haben nicht so wirklich tolle Künstlernamen. Allzu oft pflegt man hier die Unsitte, auf ein Pseudonym zurückzugreifen, die man als kurzhosiger Lausebengel von seinen Freunden verpasst bekommen hat. Man denke nur an die Kurzen, äh, Toten Hosen: Campi, Breiti, Kuddel und wie die alle heißen. Klingt immer irgendwie, als hätten da die Kuscheltiere einer Dreijährigen eine Band gegründet. Und das ist schade, denn diese Band hat etwas zu sagen. Ich fordere: Ein Künstlername muss mehr sein als etwas, das einem auf dem Pausenhof nachgebrüllt wurde. Er muss eine Identität schaffen, die zu Höherem befähigt.

Ich hab’s: Die Freunde eines Bekannten, der in den Siebzigern groß wurde, hießen damals alle Müsli. Alle. Ich nenne mich Müsli, trage fürderhin nur noch Parka, mache Deutschrock mit kritischen Texten und lebe meinen Traum. Ich sag ja: Mit dem richtigen Namen wird’s was.

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