Pop-Tagebuch

Eric Pfeils Poptagebuch: Warum es sich lohnt, nach Musikern und Bands mit dem Buchstaben „E“ zu suchen

E-Mail
Pop-Tagebuch

Eric Pfeils Poptagebuch: Warum es sich lohnt, nach Musikern und Bands mit dem Buchstaben „E“ zu suchen

Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von

Folge 92

Beim Aufräumen meiner Schallplatten stellte ich vor ein paar Tagen mal wieder erstaunt fest, dass ich kaum Platten von Musikern und Bands besitze, deren Name mit E beginnt. Warum das so ist, kann ich mir nicht recht erklären. Ich hege keinerlei Abscheu gegen Bands, die mit E anfangen. Was gibt es da überhaupt: die Eels, Emerson, Lake & Palmer, die Electric Prunes, Erste Allgemeine Verunsicherung – alles großartige Musiker mit schillernden Namen und bestimmt ebenso schillernden Platten. Ich besitze nur keine davon. Außer drei ELO-Platten und vier Dave-Edmunds-Alben kann ich noch die amerikanische Indie-Band Eggs in die Bratpfanne, äh, Waagschale werfen. „Eine Band, die Eier heißt?“, höre ich meine eben noch gelangweilten, nunmehr aber plötzlich hellwachen Leserinnen und Leser fragen.

„Was hat es damit auf sich? Berichten Sie, Pfeil!“

Eggs aus Washington/D.C. veröffentlichten in den frühen Neunzigern auf dem Teenbeat-Label ein paar angenehm wackelige Indie-Pop-Alben. Doch nicht stürmisches Gitarrengeschrabbel war das starke Gewand des von Andrew Beaujon angeführten Projekts. Man orientierte sich vielmehr an Burt Bacharach und obskurer Fahrstuhlmusik, schmeckte mit ein wenig Beatles ab und streute die eine oder andere enervierende Klangcollage ein. Zwar stand man Gitarrenschrabbeleien keineswegs ablehnend gegenüber, allerdings klangen diese in der Regel, als hätten sich die frühen Pavement an einem besonders lethargischen Tag als Easy-Listening-Revivalisten verkleidet. Die beste Eggs-Platte heißt „Teenbeat 96 Exploder“, das einzige Doppelalbum, das je auf dem Teenbeat-Label erschien. Darauf kann man ein ums andere Mal hören, wie es klingt, wenn eine kleine Band mit sehr limitiertem Budget Musik macht, die üblicherweise von sehr großen Bands mit ausgesprochen unlimitiertem Budget gemacht wird.

1996 löste sich die Formation dann leider auf. Anführer Andrew Beaujon unterhielt danach Bands mit so hochgradig kommerziellen Namen wie Scaley Andrew, Jungle George & The Plague, William & Vivian und Tha Cheeky Bastid. Kurzzeitig stand er gar bei Warner unter Vertrag, veröffentlichte jedoch nicht einen einzigen Ton auf dem Label. Sollte der ROLLING STONE eines Tages „Die 50 besten Alben der Neunziger“ auflisten wollen, das Eggs-Hauptwerk „Teenbeat 96 Exploder“ wäre bei mir ganz oben mit dabei.

Top: Dave Edmunds/Flop: Elbow

Sollte der ROLLING STONE wiederum je die „50 besten total rückwärtsgewandten Platten der Musikgeschichte“ wählen wollen, dürften sich die Alben von Dave Edmunds in dieser Liste nur so stapeln. Progressive Ideen, tollkühne Experimente oder das Umdeuten bekannter musikalischer Strukturen sind auf den Platten des Walisers angenehm abwesend. Stattdessen setzt es stürmischen Retro-Rock’n’Roll, Jukebox-Rock, Bubblegum-Pop und Tränenzieher-Balladen: Man kann auch Pubrock dazu sagen. Edmunds’ Platten klingen alle gleich, besitzen sollte man jede einzelne von ihnen.

Die E-Band, die ich am wenigsten schätze, heißt Elbow. Angebermusik, wenn Sie mich fragen, und ganz sicher kein Grund, das E-Fach auszuweiten. Da kauft man besser alles von Jeff Lynnes Electric Light Orchestra, den Königen des verschwenderischen Puschelrocks.

Da über Lynne schon so viel geschrieben worden ist, seien hier ein paar Worte zu Schlagzeuger Bev Bevan verloren, der bis zur Auflösung 1986 50 Prozent der Band-Rechte hielt. Bevan fand nach einigen juristischen Scharmützeln einen, wie ich finde, äußerst kreativen Weg, mit seiner späteren Band an die Erfolge mit ELO anzuknüpfen: Bevan taufte die Band einfach ELO Part II, und später benannte dieses namensfinderische Genie sein Projekt in The Orchestra um. 2010 spielte Bevan auf Paul Wellers Album „Wake Up The Nation“. Er sei allerdings nur zweite Wahl, ließ Weller den Schlagzeuger wissen, am liebsten hätte er Keith Moon den Job gegeben. 2012 sprach Bevan das Hörbuch zu Tony Iommis Autobiografie, „Iron Man: My Journey Through Heaven And Hell With Black Sabbath“, ein.

Grandioser ist eigentlich nur der Titel der Autobiografie des Erste-Allgemeine-Verunsicherung-Sängers Klaus Eberhartinger. Die heißt „Sex, Lachs & Rock’n’Roll“.

E-Mail