Glastonbury 2011: Die Videogalerie mit den besten Auftritten


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Das Glastonbury Festival des wohl berühmtesten Milchfarmers England, Michael Eavis, hat auch in diesem Jahr wieder bewiesen, das man ein größeres Festival kaum machen kann. U2, Coldplay und Beyoncé überzeugten mehr oder weniger als Headliner – Radiohead und Pulp als Überraschungsgäste. Nach regnerischem Start fing sich dann an den letzten Tagen auch das Wetter wieder und bescherte Acts wie Elbow und den Friendly Fires sonnige Momente auf der Bühne.

Das Glastonbury ist aber nicht nur eines der größten und geschichtsträchtigsten Festivals, es ist auch eines der am besten dokumentierten, da es sich die BBC nicht nehmen lässt, in jedem Jahr ein riesiges Aufgebot an Kameras und Crewmitgliedern aufzubringen. So finden sich stets wunderbare Bilder der größten Auftritte im Netz – meist solange, bis ein Bluthund bei der BBC oder der Labels anspringt und die Clips wieder löschen lässt. Also, hier schnell ein paar der Highlights anschauen – kommentiert von Daniel Koch, der von 2002 bis 2009 auf dem Glastonbury war und es in diesem Jahr leider nicht hinschaffte.

Diese Bilder halfen gegen den Blues: Coldplay haben natürlich viele dieser weltumarmenden Hits, die sie für Shows in der Glasto-Größenordnung prädestinieren. „In My Place“ ist dennoch ein besonderer. Als Coldplay 2002 zum ersten Mal die Pyramid-Stage headlinen durften, versammelte sich ein Teil des Publikums eigentlich nur, um zu schauen, ob und wie Coldplay dieses Gig versemmeln. Martins Bild in der britischen Musikpresse war nicht das beste, (er litt noch immer darunter, in einem Interview bekannt zu haben, dass er lange Zeit Bettnässer gewesen sei), vom neuen Album „A Rush Of Blood To The Head“ kannte man nur Gerüchte. Der Gig wurde dennoch historisch: Die neuen Songs zündeten von Anfang an (die Band startete mit „Politik“), das Publikum schwenkte Fahnen und Fackeln und sang sich die Seele aus dem Leib, und Chris Martin gewann als aufgekratzter charmanter Entertainer die Herzen der 90.000 Anwesenden. „In My Place“ wurde dann als Zugabe gespielt und zementierte die Einsicht, dass sich Coldplay an diesem Abend zum Weltklasse-Act emanzipiert hatten. Auch in diesem Jahr also ein besonderer Moment, da wohl ein Jeder, der 2002 dabei war, an diesen Abend zurückdenken wird, inklusive Chris Martin:

Coldplay spielten auch den neue Song „Major Minus“. Chris Martin sagte ganz richtig: „Eines Tages werdet ihr die neuen Songs kennen und vielleicht einen Liebling haben – jetzt denkt ihr vermutlich whatthefuck?“

Die junge Guardian-Schreiberin Rosie Swash erdreistete sich, den Überraschungsgig von Radiohead auf der Park Stage nur so „geht so“ zu finden – und wurde prompt von der Leserschaft zerrissen. Ihre Kritik monierte, dass Thom Yorke und seine Herren zu selbstverliebt nur ihr aktuelles Schaffen im Blick haben und sich nur auf neuere Songs beschränkten. Bei den schlimmen Wetterbedingungen hätte man ja mal einen Hit zum Wärmen der Klatschhände bringen können. Nun ja – hätte da wirklich jemand mit gerechnet? Der „Secret Gig“ war wohl das am schlechtesten Gehütete Geheimnis des diesjährigen Festivals. Konzerte dieser Art haben auf der „Park Stage“ übrigens eine noch recht frische Tradition. Das neu zum Gelände hinzugeschlagene Areal existiert erst seit ein paar Jahren und ist die Spielwiese von Michael Eavis-Tochter Emily. Pulp beehrten das Glasto ebenfalls mit einem Gig auf der Park Stage.

Es war die erste Festivalshow von U2 seit langer Zeit – und auch wenn im Vorfeld wieder viel diskutiert wurde, ob diese Band denn dort spielen sollte oder nicht, sah man der riesigen Menge diese Zweifel nicht an. Bono und Co. setzten dabei vermehrt auf ihr Frühwerk vor allem auf das bald 20. Jubiläum feiernde „Achtung Baby“. „Even Better Than The Real Thing“ und „The Fly“ eröffneten das Set. Tat richtig gut, U2 mal nicht auf dieser blöden Klauenbühne zu sehen. U2 – „Even Better Than The Real Thing“ und „The Fly“

„Still Haven’t Found What I’m Looking For“ durfte natürlich nicht fehlen: Songs dieser Art muss es auf einem Pyramid-Stage-Set einfach geben. Selbst wer das Herdentierverhalten auf großen Festivals verabscheut, hätte sich hier wohl mitreißen lassen, ein paar Zeilen in die nasse Nacht zu schmettern. Für negative Schlagzeilen sorgte während des Konzerts übrigens eine Aktion der Gruppierung „Art Uncut“, die sich gegen staatliche Kürzungen im Kulturbereich einsetzt. Auf einem Luftballon ließen sie die Worte „U Pay Your Taxes 2“ über die Menge kreisen – die Iren sollten bitte auch in ihrem strauchelnden Heimatland Steuern zahlen. U2-Manager Paul McGuinnes stellte darauf klar, U2 sei ein „globales Unternehmen und zahlt seine Steuern global.“

Beyoncé bittet Englands talentiertesten TripHop-Kiffer Tricky auf die Bühne und beglückt mit „Naughty Girl“ und „Baby Boy“ alle Jungen und Mädchen. Auch hier wurde wieder viel diskutiert, ob man eine Popkünstlerin wie sie bringen könnte. Aber das kannte man ja bereits von ihrem Gatten Jay-Z, der vor zwei Jahren ebenfalls viel einstecken musste und die Menge ruckzuck im Sack hatte. Klappte anscheinend bei seiner Frau auch…

Eine gut gewählte Cover-Version hilft zur Not immer, um das Publikum zu packen. Beyoncé hatte hier auch alle anwesenden Altersklassen im Blick und setzte auf „Beautiful Ones“ von Prince und „Sex On Fire“ der Kings Of Leon.

Am Sonntag dann endlich mal Sonne: Sehr passend zum Wetter – Paul Simon mit seinen „50 Way To Leave Your Lover“. Der Sonntagnachmittag ist traditionell der Tag, an dem auf dem Glastonbury die geschätzten Altmeister die Bühne betreten.

Die Friendly Fires waren wieder ein wenig cheesy, wurden aber im Sonnenschein auf der Other Stage gefeiert – vor allem als sie beim finalen „Hawaiian Air“ die Blumengirls auf die Bühne baten und Blumenkränze verteilten.

Und noch eine dieser Hymnen zum Abschluss: Elbow haben „One Day Like This“ ja für genau diese Momente geschrieben: Sonnenuntergang, die Wolken lichten sich, die Menge vor der Pyramid Stage dankt’s mit lautem Singen. Der simple Text hilft da sicher…