Heute neu im Plattenregal


von

Blonde Redhead – „Penny Sparkle“
Der Shoegazer-Pop dieses New Yorker Trios lebt vor allem vom weltfernen Gesang Kazu Makinos, deren ätherische Stimme von ihren Musikerkollegen auf sanfte Klangkissen gelegt wird. Das ist auch auf dem achten Album der Band wieder so und lässt ein weiteres Mal vergessen, dass die Drei mal mit Sonic Youth-inspirierten Noise-Kompositionen gestartet sind. Einen guten Eindruck vom Sound von „Penny Sparkle“ vermittelt der Song „My Plants Are Dead“:

Leonard Cohen – „Songs From The Road
Diese Stimme. Dieser Mann. Diese Geschichte. Man muss über die weiter anhaltende Großartigkeit des Leonard Cohen keine Worte mehr verlieren. Dass er sich auch in den letzten Jahren als wunderbarer Live-Künstler auf der ganzen Welt empfohlen hat, dürfte sich inzwischen ebenso herumgesprochen haben. Nachdem schon im vergangenen Jahr ein Londoner Konzert von ihm komplett als Video und Audio veröffentlicht wurde, folgt mit „Songs From The Road“ nun eine Art Best of der Tour – in Film und in Audioform. „Lover, Lover, Lover“ in Israel gespielt, „Bird On The Wire“ in Schottland, „The Partisan“ in Helsinki and so on. Hier gibt es einen Kurzfilm zur Veröffentlichung.

Lloyd Cole – „Broken Record“
Unsere Platte des Monats und von Kollege Willander mit vier Sternen bedacht. „Keine Musik macht so glücklich wie die Rückversicherung durch einen alten Meister“, meint dieser. „Auch wenn er ein ewig nörgelnder und mutloser Schlingel ist wie Lloyd Cole.“ Die vollständige Kritik kann man hier lesen. Hier noch das aktuelle Video zur Single „Writers Retreat!“:


Phil Collins – „Going Back“

Das Soul Revival scheint nahezu erschöpft, da bemüht sich auch Phil Collins um das Vermächtnis Motowns – eine Ehrenrettung, der es nicht mehr bedurft hätte. Duffy und Adele haben längst die letzten Früchte gepflückt, doch war es Amy Winehouse, die den Soul der 60er und 70er Jahre so triumphal wieder belebt und ihm ein pralles Vintage-Outfit verpasst hat. In dieses steigt Phil Collins auf seinem Anfang September erscheinendem Album „Going Back“. Und zurück kehrt er vor allem zur Musik seiner Jugend. Ob er diese angemessen interpretiert hat, konnte man sich schon bei uns im Webwheel anhören. Hier noch eine Kurzdoku über das Projekt:

Fotos – „Porzellan“
Maik Brüggemeyer widmet sich in seiner „Freispiel“-Kolumne dieser Platte, vergibt drei Sterne und schreibt: „Auf ihrem ersten Album setzten die Fotos zum großen ‚Neon‘-Magazin-Befindlichkeits-Rave an, schlitterten in die Identitätskrise und suchten auf dem Nachfolger großen europäischen Pop im Sinne von Phoenix. Und jetzt kommt die Kunst (das merkt man daran, wenn Songtitel nur noch aus einem Wort bestehen: ‚Nacht‘, ‚Mauer‘, ‚Angst‘ etc.), das Geheul und das Feedback. Doch auch wenn sie anfangs noch auf ihre Schuhe starren, recken sie doch später auch wieder die Arme in die Höhe, mischen ihr poliertes Pathos mit Sterne-Pop und Fehlfarben-Prop.“ Hier das Video zur Single „Mauer“:

Get Cape. Wear Cape. Fly – „Get Cape. Wear Cape. Fly“
Wer sich ein solches Künstlernamenmonster gönnt wie Sam Duckworth, der darf auch mal sein Album so benennen. Unser Rezensent Gunther Reinhardt bemerkt im Angesicht der neuen Platte des Britens: „Obwohl Duckworth seine Songs, an denen er zwei Jahre lang gebastelt hat, mit Gimmicks, Loops und Sounds vollstopft, verbergen sich unter den vielen Schichten stets eine einfache Melodie und eine Akustikgitarre.“ Für drei Sterne reichte es dennoch. Die vollständige Rezension kann man bereits hier online nachlesen. Hier noch das Video der aktuellen Single „Collapsing Cities“:

Grinderman – „Grinderman 2“
Die Flöte, die Drum-Synths und die Tenorgitarren, die bei den Aufnahmen für „Grinderman 2“ zum Einsatz gekommen sind, wurden korrekt im Booklet gelistet. Unterschlagen hat man die Schrottpresse, die Knochensäge und den Schlagbohrer, die man aus den neun Songs herauszuhören glaubt. Aber dennoch: „Wer den breitbeinigen, den bösen, den mitunter sexistisch knurrenden und lechzenden Cave mag – den er ja etwa in ‚Stagger Lee‘ auch gerne bei den Bad Seeds gibt – der wird an ‚Grinderman 2‘ eine geradezu perverse Freude haben.“ Findet Rezensent Daniel Koch in unserer aktuellen Ausgabe. Hier gibt’s das herrlich abgedrehte – und bei Youtube mit Altersbegrenzung belegte – Video zur Single „Heathen Child“:

Grinderman – „Heathen Child“
Hochgeladen von naivepromo. – Sieh die neuesten vorgestellten Musikvideos.

Junip – „Fields“
Man muss schon ein José González sein, wenn man zu seinem neuen Album befragt wird und mit einem Statement wie diesem durchkommen will: „Es ist vor allem sanft und harmonisch – eine Platte, die niemandem weh tun will.“ Autsch. Dennoch: Im Falle von Junip, der Band von José González, die er nach zehn Jahren Pause wieder belebt hat, geht eine solche Aussage klar. Und ganz unrecht hat er nicht, denn „Fields“ tut wirklich nicht weh, weiß aber dennoch zu gefallen. Unsere Begegnung mit der Band kann man hier nachlesen. Außerdem kann man das Album momentan auf dieser Website komplett im Stream hören. Ach ja, ebenso empfehlenswert ist das amüsante Luftgitarrenguruvideo zur Single „Always“:

Linkin Park – „A Thousand Suns“
Der Vollständigkeit halber sei auch dieser sicherlich wieder in Charthöhen aufsteigende Verkaufsknaller genannt, der ab heute flächendeckend plakatiert feilgeboten wird. Linkin Park-Fans werden sich die letzte Wochen sicherlich gesorgt haben, ob ihre Helden den aufgebrezelten Crossover-Sound hinter sich gelassen haben und nun klingen, wie auf dieser Single „Waiting For The End“, bei der Linkin Park wirken, als hätten sie beim Kiffen in ihrem High-End-Studio zuviel Sublime gehört:

Of Montreal – „False Priest“
Sogar die momentan so schwer angesagte Janelle Monáe und die Beyoncé-Schwester Solange Knowles finden sich auf dem Album, das laut Rezensent Gunther Reinhardt „der ideale Soundtrack für Menschen mit ADS ist – und vielleicht sogar das Album, das Prince gern gemacht hätte. Im durchgedrehten Pop-Kosmos von Of Montreal bekommt jedenfalls keiner die Chance, sich zu langweilen.“ Kevin Barnes und seine irren Herren und Damen scheinen also nichts verlernt zu haben. Das Album kann man hier momentan komplett im Stream hören.

Robert Plant – „Band Of Joy“
Man darf sich nicht von dem kitschigen Artwork des neuen Plant-Werks abschrecken lassen: Das Album der Reinkarnation seiner Jugendtruppe Band Of Joy kann qualitativ durchaus an „Raising Sand“ von 2007 anschließen. Wer alles über das Album im Speziellen und Robert Plant im Allgemeinen erfahren will, dem sei unser Plant-Special in der aktuellen Ausgabe empfohlen. Wer die berühmte Katze (im Angesicht von Plants Frisur wäre es wohl ein Berglöwe) im Sack kaufen will, hat momentan hier die Möglichkeit die Platte komplett im Stream zu hören. Und hier noch mal die erste Single „Angel Dance“:


Robyn – „Body Talk Pt. 2“

Drei Alben will Schwedens jüngster dienstältester Popstar (ihre Karriere begann bereits im Teenie-Alter) in diesem Jahr veröffentlichen – wenn Robyn so weitermacht, könnte das was werden. Nach Teil eins folgen nun acht neue Songs unter dem Namen „Body Talk“, die wiederum allesamt versuchen, intelligent und bisweilen – wie in der Single „Hang With Me“ – melancholisch auf den Dancefloor zu führen.

Röyksopp – „Senior“
Jürgen Ziemer schrieb in seiner „Beats“-Kolumne: „Das Gegenstück zum poppigen Vorgänger ‚Junior‘. Musik für ältere Menschen, die nicht mehr so viel brauchen, schon gar keine lauten Clubs. Gastsängerinnen gibt es diesmal auch nicht – sind wohl zu aufregend. Dennoch ist ‚Senior‘ ein sehr angenehmes Album. Genau die richtige Hintergrundmusik, wenn alte Freunde zum Abendessen kommen.“ Dreieinhalb Punkte serviert er zu besagtem Abendessen. Das Album gibt’s im Stream – und zwar genau hier:

Skunk Anansie – „Wonderlustre“
Ein weiteres Produkt für die lange Reihe sogenannter „Reunion“-Alben. Diesmal melden sich Skin und ihre Herren zurück, die sich Ende der 90iger noch „Paranoid & Sunburnt“ gaben (so hieß ihr Debüt) und provokante Fragen stellten wie: „Who put that Little Baby Swastika on the wall?“ Nach ihrem Mainstreamerfolg ging es dann gesetzter weiter, was sich auch auf dem Comebackalbum nicht geändert zu haben scheint. Hier die Single „My Ugly Boy“:

Mavis Staples – „You Are Not Alone“
Wilcos Mastermind Jeff Tweedy geht nun bekanntlich auch Produzentenwege. So zeichnet er sich für das am Freitag erscheinende „You Are Not Alone“ der Gospel-Ikone Mavis Staples verantwortlich – konnte es aber auch nicht lassen, ihr z. B. den Titelsong zu schreiben. Zu dem unser Rezensent Jörg Feyer in unserer aktuellen Ausgabe passenderweise anmerkt: „Und Jeff Tweedy? Kann nicht wirklich Gospel-Songs schreiben. Versucht es aber trotzdem zweimal. Und landet dabei mit dem Titelstück immerhin ein ganz großes Trostpflaster für Seelen in der Not.“ Das Album kann man momentan komplett im Stream hören – zudem gibt es diese kurze Dokumentation über die Entstehung von „You Are Not Alone“:

The T.C.H.I.K. – „Jung, Talentlos & Gecastet“
The Toten Crackhuren Im Kofferraum aus dem wohl uncoolsten Viertel Berlins (Weißensee) haben mit ihrem zerschossenen Dilettantenpop von Anfang an die Gemüter gespalten und die so oft herbeizitierte Frage provoziert: „Ist das jetzt richtig schlecht oder doch schon wieder so schlecht, dass…“ Die Single „Ich Und Mein Pony“ sowie das bei den Beastie Boys geklaute Video, das vermutlich in einer Drei-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung in Weißensee aufgenommen wurde, lassen eher Ersteres vermuten…

The Thermals – „Personal Life“
Hutch Harris, Kathy Foster und Westin Glass rumpeln sich weiterhin mit eingängigen Melodien durch die Emotionsirrungen des Lebens. Produziert hat das Ganze Christopher Walla, der normalerweise bei seiner Hauptband Death Cab For Cutie eher die Songs poliert anstatt ihnen mit dem Schmirgelpapier beizukommen. Hier hat er diesen Effekt erzielt, in dem er einen Großteil der Songs auf Kassetten aufgenommen und gemischt hat. Hier das Video zur aktuellen Single „I Don’t Believe You“ – ein Song, der gut die Richtung und des Sound des Albums vorgibt:

Underworld – „Barking
„Bellen“ statt „shouting lager! Lager! Lager!“ Das britische Duo, das mit „Born Slippy“ sozusagen den Hit des „Trainspotting“-Soundtracks landete, lässt es in diesen neun Songs überwiegend bedächtiger angehen. Hier kann man das Album momentan komplett im Stream hören. Und hier noch der Clip zur ersten Single „Scribble“:

Weezer – „Hurley“
Wie Rivers Cuomo schon vor Wochen den amerikanischen Rolling Stone-Kollegen verriet, haben Weezer auch auf dem heute erscheinenden „Hurley“ wieder einige Gäste und Songwriting-Partner an Bord. Aber, das versicherte Cuomo ausdrücklich: „There’s no Lil Wayne on it.“ Aufatmen allerorts. Dafür schrieb Cuomo gemeinsam mit Mac Davis – dem Co-Songschreiber von „A Little Less Conversation“ und Urheber des Elvis-Evergreens „In The Ghetto“ – den Track „Time Flies“. Dieser sei „ein klassischer 60s-Pop-Song mit lauten krachenden Gitarren“. Ebenfalls beteiligt an einigen Songs war Ryan Adams. Das Album wird nun übrigens beim Punklabel Epitaph und nicht mehr beim Major Geffen erscheinen – klingt aber, als sei es der Versuch der Band, ein kommerziell erfolgreiches Radiopopalbum zu machen. Das Album konnte man bei uns bereits im Stream hören – und zwar hier.

Zusammengestellt von Daniel Koch