Nachruf



James Caan: der wunderbare Loner


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Er war ein Schauspieler auf der Schnittstelle zwischen dem alten und dem New Hollywood, er war ein Method Actor und ein Action-Held, und natürlich gehörte er zu dem goldenen Ensemble von „Der Pate“. James Caan als Sonny Corleone ist die einzige explosive Gestalt im Kreis der sanguinischen Italo-Amerikaner, und sein Vater muss den unbotmäßigen Hitzkopf ermahnen, der sich schon verraten und damit den Bandenkrieg ausgelöst hat. Auch kann er sich nicht beherrschen, als er die Ehre seiner Schwester verteidigen will und in unbändiger Wut deren prügelnden Ehemann zusammenschlägt.

James Caan. wurde 1940 in der Bronx geboren, studierte an der Universität von Michigan und war ein begabter Footballspieler, Rodeoreiter und Karatekämpfer. Schon 1963 hatte er eine kleine Rolle in Billy Wilders Komödie „Irma La Douce“, im Jahr darauf spielte er einen Gewalttäter in „Lady In A Cage“. Howard Hawks engagierte ihn als Messerwerfer neben John Wayne und Robert Mitchum für „El Dorado“ (1966), den zweiten Film in seiner Vier-Männer-verteidigen-eine-Stadt-Trilogie. Dann entdeckte ihn Francis Ford Coppola für „The Rain People“ (1969), wo er als Footballspieler in seinem Element war. Coppola liebte diesen physischen Schauspieler und kämpfte bei der Besetzung des „Paten“ gegen die Produzenten für Caan.

Mit Al Pacino (li.) 1972 in „Der Pate“.

Nach dem Triumph des Films und einer Oscar-Nominierung spielte James Caan Schlitzohren und Lebenskünstler in „The Gambler“ und „Freebie And The Bean“, war dann in Sam Peckinpahs „The Killer Elite“ richtig besetzt, falsch in „Funny Lady“ und perfekt in „Rollerball“ (alle 1975). Sein zigarrerauchender amerikanischer Sergeant im Jeep in Richard Attenboroughs Kriegsspektakel „A Bridge Too Far“ (1977) ist der Hallodri neben noblen Kriegshelden wie Anthony Hopkins, Sean Connery und Maximilian Schell – aber die Brücke wird natürlich von Robert Redford gestürmt. Caans schönste Rolle ist vielleicht der Cowboy an der Seite von Jane Fonda in Alan J. Pakulas leiser Liebesgeschichte „Comes A Horseman“ (1978). In dem frühen Michael-Mann-Film „Thief“ (1981), den manche Kritiker für Manns besten halten, ist Caan ein wunderbarer Loner.

James Caan in „Thief“:

Er zog sich 1982 nach dem Tod seiner Schwester einige Jahre zurück, ausgebrannt und vom Kokain gebeutelt. Erst 1987 spielte er wieder – in „Der steinerne Garten“, einem von Francis Coppolas glücklosen Spätwerken. In „Misery“ (1990) liegt er mit Gipsbein im Bett und muss Kathy Bates das Handeln überlassen – dass der virile Mann so gefesselt ist, macht den Film noch grausamer. Mit „Honeymoon In Vegas“ (1993), einer Variation des berühmten „Born Yesterday“ aus den frühen 50er-Jahren, begann Caan eine späte Karriere als vierschrötiger Komödiant neben Nicolas Cage und Sarah Jessica Parker. In „Mickey Blue Eyes“ (1999) mit Hugh Grant persifliert er mit Wonne seine Mafia-Figur.

James Caan in „Misery“:

Lars von Trier holte ihn 2003 für seine filmische Versuchsanordnung „Dogville“ – James Caan trat in seine dritte Phase als Schauspiellegende ein. Die Serie „Las Vegas“ verließ er, als es ihm langweilig wurde; Tom Selleck übernahm für die letzten Staffeln. Bis zum letzten Jahr spielte Caan in kleineren Filmen. Viermal war er verheiratet; sein Sohn Scott schreibt Drehbücher.

Am 6. Juli starb James Caan, der letzte Mann aus „El Dorado“, im Alter von 82 Jahren in Los Angeles.

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