„Jerks“ offline: Joyn reagiert auf Vorwürfe gegen Christian Ulmen

Nach den erhobenen Vorwürfen gegen Christian Ulmen nimmt Joyn die Serie „Jerks“ aus dem Programm.

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Die Debatte rund um Schauspieler und Produzent Christian Ulmen hat nun direkte Auswirkungen auf das Streaming-Angebot von Joyn: Die vielfach ausgezeichnete Comedy-Serie „Jerks“ wurde vorerst offline genommen.

Ein Sprecher von ProSieben bestätigte die Maßnahme: „Aufgrund der aktuellen Situation hat Joyn am Donnerstag die mit mehreren Fernsehpreisen ausgezeichnete Serie ,Jerks’, in der Collien Fernandes und Christian Ulmen ein geschiedenes Ehepaar spielen, offline genommen. Unabhängig davon gilt eine wichtige Säule des Rechtsstaatsprinzips: die Unschuldsvermutung.“ Ob die Serie dauerhaft aus dem Programm fliegt, ist unklar. Die Streaming-Seite zur Serie führt derzeit ins Leere.

Serie lebt von der Nähe zur Realität

„Jerks“ lief zwischen 2017 und 2023 in fünf Staffeln und galt lange als eines der provokantesten deutschen Comedy-Formate. Neben Ulmen spielte auch Fahri Yardım eine zentrale Rolle. Das Konzept: Die Darsteller verkörpern überspitzte Versionen von sich selbst. Reale Situationen werden dabei fiktional überzeichnet. Gerade diese Mischung aus Realität und Inszenierung machte den Reiz der Serie aus und ist nun Teil der Diskussion. Vor allem der ironische Verweis auf „wahre Begebenheiten“ stößt angesichts der jüngsten Anschuldigungen bitter auf.

Joyn ist einer der ersten großen Player, der konkrete Konsequenzen aus den von Collien Fernandes geäußerten Vorwürfen zieht. Auch Werbepartner, die Christian Ulmen in den vergangenen Jahren gebucht haben, könnten nachziehen.

Was Christian Ulmen vorgeworfen wird

Auslöser der aktuellen Entwicklungen sind schwerwiegende Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex Christian Ulmen, über die der „Spiegel“ berichtet hat. Demnach soll Fernandes in Spanien Anzeige erstattet haben und spricht in diesem Zusammenhang von „virtueller Vergewaltigung“. Laut Bericht liegt seit Ende 2025 ein umfangreicher Schriftsatz beim zuständigen Gericht in Palma de Mallorca vor. Darin schildert die 44-Jährige, über einen Zeitraum von rund zehn Jahren Opfer systematischen Identitätsmissbrauchs im Internet geworden zu sein. Unbekannte hätten demnach Profile in ihrem Namen erstellt, mit Männern kommuniziert und diese in sexualisierte Gespräche verwickelt. Zudem seien pornografische Inhalte verbreitet worden, in denen Frauen zu sehen gewesen sein sollen, die ihr äußerlich stark ähneln.

Zunächst ging Fernandes eigenen Angaben zufolge von anonymen Tätern aus und erstattete 2024 Anzeige gegen unbekannt in Berlin. Später habe sich ihr Verdacht auf ihr persönliches Umfeld gerichtet. Laut „Spiegel“ soll es Ende 2024 zu einer entscheidenden Wendung gekommen sein, als ihr Ex-Partner in einem Gespräch die Verantwortung für die Aktivitäten eingeräumt haben soll. Das zuständige Gericht in Palma de Mallorca hat inzwischen Vorermittlungen aufgenommen; ein mögliches Verfahren ist derzeit offen. Ulmen hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.

Kristina Baum schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.