ROLLING STONE-Ausgabe 07/2019 MIT EXKLUSIVER PHIL COLLINS 7-INCH SINGLE

Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, die 39 Clocks (wieder) zu entdecken

Keine Seite des reich ­bebilderten Booklets zur ersten Werkschau der 39 Clocks kommt ohne Kalauer aus. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass die depressiv angefressenen Psycho-­Beats der Hannoveraner Undergroud-Band nicht immer ganz so ernst genommen werden sollten.

Angetreten waren Jürgen Gleue und Christian Henjes Ende der Siebziger mit einem Zerstörungsprogramm. Ihre Debütplatte, „Pain It Dark“ (1980), schüttelte Hippie-Gewissheiten durch und eliminierte alles, was nach Wiedererkennbarkeit und Neuer Deutscher Welle klang. Dafür kleideten sich die Musiker wie Beatniks und benutzten auch mal Staubsauger auf der Bühne anstatt Gitarren. Ein unheimlicher, von hemdsärmeligem Englisch getragener Abgesang auf den Garagen-Punk, bei dem von Kurt Schwitters über Suicide bis hin zu Peter Handke so ziemlich jede In­spiration dankbar aufgenommen wurde, die Misserfolg versprach.

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Ihre Kompromisslosigkeit bescherte 39 Clocks einen guten Ruf im Ausland. Nach Velvet Underground klangen sie allerdings nie, auch wenn sich dieses Gerücht hartnäckig hielt. Das Publikum ließ die Störgeräusche indes über sich ergehen. Manchmal wurde es von Gleue und Henjes, die sich nur noch C.H.39 und J.G.39 nannten, deshalb bestraft, wüst beschimpft und zum Abgang aufgefordert.

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Absurder Humor

Nach ihrer zweiten, noch befremdlicheren Platte, „Subnarcotic“ (1982), trennte sich das Duo. ­Eine kurze Reunion ein paar Jahre später förderte zwar noch eine weitere LP zutage („13 More Protest Songs“, 1987), die allerdings nicht ganz fertig wurde. Oder bewusst nicht fertig werden sollte.

Natürlich war die benebelte Performance-Kunst der 39 Clocks ihrer Zeit voraus und erinnert mit ihrer transgressiven Haltung durchaus an DAF. In den hitzigen, sehr produktiven ersten Jahren zwischen 1977 und 1983 entstanden viele Songs, die untergingen oder nicht verwendet wurden. Sie werden hier zum ersten Mal auf einer CD nachgeliefert. Eine Live-Aufnahme von 1981 demonstriert den absurden Humor der Band.

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