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Kann sich „Marvel’s Agent Carter“ durchsetzen?

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Kann sich „Marvel’s Agent Carter“ durchsetzen?

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Ihr Lippenstift ist so knallrot wie ihr Hut, sie ist stets perfekt gekleidet und frisiert – doch Peggy Carter (Hayley Atwell) ist keine gewöhnliche Frau. Sie ist schön, schon klar, aber sie ist auch schlau, stark und furchtlos. Sie ist „Agent Carter“.

Heutzutage wäre ihr Leben vielleicht einfach so aufregend wie das von Carrie Mathison in „Homeland“, doch wir schreiben das Jahr 1946, und da hat man es als Geheimagentin in New York City nicht nur mit Nachkriegstraumata und den üblichen städtischen Bösewichten zu tun, sondern zudem mit sexistischen Kollegen und den gängigen Vorurteilen: Eine Frau, so die allgemeine Weltsicht, taugt eher als Sekretärin denn als Spionin, im Einsatz ist sie bestimmt zu schwach und auch sonst zu empfindlich.

Akten einordnen: immer gern

Agent Carter findet sich mit der Rolle, die ihr das Strategic Scientific Reserve (SSR) aufdrücken will, nicht ab. Schließlich hat sie vor kurzem noch mit Captain America die Welt gerettet. Carter hat zwar keine Superkräfte, aber einen Supervorteil: Sie wird immer unterschätzt und steht deshalb am Ende stets als Siegerin da. Also tut sie sich mit ihrem Ex-Kollegen Howard Stark (Dominic Cooper) zusammen, der unter dem Verdacht steht, ein Verräter zu sein (natürlich zu Unrecht).

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Weil Stark nur selten aus der Deckung kommt, findet Peggy ihren – für Superhelden unverzichtbaren – Sidekick in Butler Jarvis (James D’Arcy), der ganz dem Klischee entsprechend steif und arrogant wirkt, im Gegensatz zu allen anderen Männern hier allerdings Humor hat und sich bestimmt bald als Seelchen herausstellt. Gemeinsam suchen sie nach … ach, das ist eigentlich egal, denn wie meist bei Marvel geht es gar nicht um die einzelnen Fälle, sondern um den klassischen Kampf Gut gegen Böse. Bei „Agent Carter“ ist nur die Verpackung anders, nicht der Inhalt.

Optisch ein echter Genuss

Optisch macht die neue Serie einiges her. Ob Carter nun im bonbonfarbenen Diner sitzt oder in einem schicken Oldtimer, das Ambiente setzt ungeniert auf Nostalgie. So stilvoll sehen Stadt und Menschen aus, dass die zarte Kritik an der Borniertheit und dem Sexismus der Zeit nicht recht glaubwürdig wirkt. Zumindest spielt sie nur eine kleine Nebenrolle.

Agent Carter hat größere Probleme, suggeriert der Verschwörungsplot, und sie wird sich schon durchsetzen – ohne ihre Weiblichkeit zur Disposition zu stellen. Als ihre sehr blonde Freundin sie belehrt, es gebe „einen Unterschied zwischen einer unabhängigen Frau und einer alten Jungfer“, antwortet Peggy schnippisch: „Sind es die Schuhe?“ Sie trägt auch im Einsatz stets High-Heels.

„Marvel’s Agent Carter“ läuft mittwochs um 21 Uhr auf SyFy.

https://www.youtube.com/watch?v=gSxBMAVfFJY

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