Knesset aus Phoenix, Arizona: „Coming Of Age“ für die Ohren


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Ein unglaubliches reifes Album, das die jungen Herren Evan Fox (Gitarre, Songwriting, Vocals), Eric Graf (Bass), Jeffrey Olsen (Drums) und Mitchel Manger (Rhodes und Percussions) da hingelegt haben. Ein charmanter Widerspruch, denn das Debüt von Knesset trägt den Namen „Coming Of Age“ und hätte damit jedes Recht der Welt unfertig, unentschlossen und noch ein wenig schief gewachsen zu klingen. Aber die zehn Songs sind wunderbar auf den Punkt gespielte, an frühe Death Cab For Cutie erinnernde Kompositionen, die sich mit nostalgischem Feedback oft vor den Sonic Youth der „Rather Ripped“-Phase verneigen. Aber erzählen kann man immer viel. Hier kann man es sich – während des Weiterlesens hoffentlich – in Ruhe anhören:

Aber bevor wir uns mit Eric und Evan über ihre Pläne, Wünsche, Leidenschaften und Inspirationen unterhalten, gibt es erst einmal ein paar Obskuritäten in der noch frischen Bandbiografie zu erhellen. Zum einen wäre da der Bandname: Knesset, wie das israelische Parlament, basierend auf dem hebräischen Wort für Versammlung. Evan Fox klärt auf: „Der Name ist weder politisch noch religiös motiviert – und, um das hier ein und allemal im ROLLING STONE klarzustellen: Er spricht sich KA-NESS-ET.“ Nicht sehr Google-freundlich, oder? Man musste recht lange suchen, um Knesset im Netz zu finden. Evan: „Ist es nicht seltsam, dass sich die Bands von heute immer diese Frage stellen müssen? Was würden unsere Rock’n’Roll-Urväter von uns halten?“ Und Bassist Eric Graf ergänzt: „Eine Band zu benennen ist heutzutage schwerer den je. Wer in dieser riesigen Masse, die überall aus dem Netz quillt, herausstechen will, der muss schon wirklich mit etwas besonderem kommen, einem Namen, der einen anspringt – Knesset ist so einer, würde ich sagen.“

Und warum kam das Album nun zuerst in Japan?
Evan Fox: Unsere Freunde von  Lymbyc Systym und Her Space Holiday sind in Japan mit „& Records“ verbändelt. Nach einer Tour mit Her Space Holiday wurden wir einander vorgestellt und mochten uns gleich. Außerdem sind wir große Fans von American Analog Set, Joan Of Arc und Camera Obscura – also mussten wir nicht lange nachdenken. Wir sind jetzt Labelkollegen von ihnen, das ist doch super.

Eric Graf: Wir wissen, es wirkt strange, dass wir zuerst in Japan veröffentlicht haben. Aber „& Records“ ist ein tolles Label. Und da wir in Amerika und Europa sehr erfolgreich mit unserem Bandcamp-Self-Release waren, haben wir nicht den Druck, auf Gedeih und Verderb ein Label zu finden. Wir können warten, bis wirklich alles bei uns passt.

Warum habt ihr „Coming Of Age“ als Titel gewählt? Für mich klingt das Album genauso euphorisch, melodramatisch, traurig, aufmunternd wie diese besondere Lebensphase…
Evan Fox: Das war der Titel eines Songs, der am Ende ironischerweise nur eine B-Seite wurde – der Bonus-Track des besagten Japan-Releases. Ich habe den Song so genannt, weil er genau die Gefühle innehatte, die du genannt hast. Das Album trifft diese Stimmung ganz gut, und es war definitiv das, was uns bewegte in der Zeit: Wir sind dabei zu reifen, unsere Wege zu finden und zu suchen.

Ist es also ein Konzeptalbum über das Erwachsenwerden oder bloß eine Liedersammlung aus dieser Lebensphase? Mh… was am Ende das gleiche sein könnte…
Evan Fox: Das Album hat diesen Touch. Und es ist sehr nostalgisch geraten. Aber ein Konzept gab es nicht wirklich. Es sind einfach die Lieder, die wir so gut fanden, dass wir sie veröffentlichen wollen.

Es ist immer wieder ein interessantes Spiel, wenn junge Bands erst ins Visier der Checker-Blogs geraten und dann in die Schubladen der Musikjournalisten: Und dann steht da plötzlich so was wie Shoegaze oder Boogaze oder Newgaze oder Chillwave oder Waverave oder wie auch immer. Also, hier ist eure Chance: Was soll bei euch dran stehen?
Evan Fox: Ich höre schon jetzt viel zu oft Shoegaze. Ich weiß ja, wo es herkommt, aber das wollten wir nun wirklich nicht. Ist das eigentlich eine Fangfrage?

Eric Graf: Ich weiß nicht mal, was sich hinter diesen Genres verbirgt. Lass uns doch einfach bei Indie Rock bleiben, bis es einen neuen hippen, tollen Namen gibt, der die Welt im Sturm nehmen wird.

Lasst uns über Einflüsse reden: Mir fallen da ein paar ein, aber nun seid ihr dran…
Evan  Fox: Ich bin mit 90er-Musik aufgewachsen. Nirvana, Smashing Pumpkins, Sonic Youth – später dann die Bands, die wiederum an denen inspirierten: Broken Social Scene, Grandaddy, Sparklehorse…

Eric Graf: … Fennesz, Sigur Rós, Joan Of Arc, die ersten beiden Weezer-Platten. Aber ich bin nur der Bassspieöer – deshalb wirst du bei uns nicht soviel Fennesz raushören.

Was ist eure persönliche Benchmark? Der Punkt, den ihr erreichen wollt, bevor ihr aufhört?
Evan Fox: Ich will einfach weiterschreiben und Platten machen, die besser sind, als die vorhergegangenen. Ich habe nie verstanden, warum Bands ein oder zwei Meisterwerke hinbekommen und dann alle weiteren Alben versemmeln.

Eric Graf: Ich bin nicht dran interessiert, Kohle zu scheffeln oder riesige Fanscharen an den Hacken zu haben. Ich fände es nur super, wenn wir uns irgendwann einen Extra-Musiker zum Touren leisten können. Am besten einen Bassisten, damit ich nur rumhängen kann und nicht spielen muss. Aber das ist nur ne Idee…

Habt ihr Pläne für Deutschland?
Evan Fox: Bisher leider nicht. Aber wir haben gehört, dass Musik unserer dort sehr geschätzt wird. Also wollen wir gerne mal hin. Ich hoffe bald.

Letzte Frage: Nennt uns doch bitte eine oder zwei Bands, die wir unbedingt mal auschecken sollten?
Evan Fox: Mein Alltime-Fave ist immer noch Autolux. Ich habe nur leider das Gefühl, die sind von der Musikgeschichte unter den Indie-Teppich gekehrt worden. Das sollte nicht sein.

Eric Graf: Da gibt’s diese tolle neue Band Lost Lander. Sie bringen in dieses Jahr ihr Debüt auf den Markt. Es wurde von Brent Knopf von Menomena und Ramona Falls produziert. Gerade weil ich beide seiner Bands sehr mag, bin ich gespannt, was da raus kommt.