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Highlight: Neu auf Netflix: Das sind die wichtigsten Netflix-Neuerscheinungen im Mai 2020

Kritik: „The Crown“, Staffel 3 – Royale Salon-Schmiere

Die Königin ist nicht amüsiert, als sie ihr gealtertes Profil auf einer neuen Briefmarke betrachtet. Die Lakaien schmeicheln ihr, aber Elizabeth sieht den Unterschied. Es ist 1964, sie regiert seit elf Jahren. Und auch der Zuschauer von „The Crown“ muss sich an ein anderes Gesicht gewöhnen: In den ersten beiden Staffeln wurde Queen Elizabeth von der zart-anmutigen Claire Foy gespielt, nun agiert die stoisch-grämlich dreinblickende Olivia Colman. Bei beiden Schauspielerinnen ähneln nur die Frisur und die Kleider der maskenhaften Königin, aber beiden sieht man die Bürde und Würde an.

Colman verkörpert den steifen, skeptischen Pragmatismus, wenn sie nach dem Premier­minister klingelt, viele Jahre der verhemmte Sozialist Harold Wilson, dann der hochnäsige Konservative Edward Heath. Natürlich verhalten sich Elizabeths Sympathien entgegen den Erwartungen. Dem trockenen Wilson schüttet sie, als er noch einmal ins Amt zurückkehrt, schließlich ihr Herz aus: Er sei ein guter Gefährte, sie und ihr Gatte würden sich freuen, wenn sie in Downing Street zum Abendessen eingeladen würden. Wilson, von Jason Watkins ergötzlich zerstreut gespielt, antwortet im Hinausgehen treuherzig: „Aber diese Ehre wurde doch nur Winston Churchill zuteil!“ Dem die Königin in einer schwülstigen Szene am Sterbebett versicherte, er sei der größte Brite.

„The Crown“, von Peter Morgan erfunden und geschrieben, erzählt eine Familien­saga als Staatsaffäre. Aber die Zeitläufte sind nur paradigmatische Zäsuren: das Grubenunglück im walisischen Aberfan 1966, nach dem die Queen sich lange weigerte, den Ort zu besuchen, die Mondlandung 1969, der Bergarbeiterstreik und die Stromsperre 1977, Prinz Charles’ Studien­semester in Wales und seine anschließende Investitur in der Episode „Tywysog Cymru“. Die Eskapaden der angeschickerten Krawallschachtel Margaret (chargiert: Helena Bonham Carter), die Sottisen und die Existenzkrise des gelangweilten Prinz Philip (blasiert: Tobias Menzies), die Finten des alten Lord Mountbatten (wie gemeißelt: Greg Wise), das Sterben des exilierten Skandalkönigs Edward (tutig: De­rek Jacobi) in der Obhut von Wallis Simp­son (hagerstolz: Geraldine Chaplin), die aufsässig-schmollende Prinzessin Anne (sarkastisch: Erin Doherty): lauter dialogische und schauspielerische Kabinettstückchen, eine Salonkomödie von Oscar ­Wilde, eine Seelenschmiere von John Osborne, eine prächtige Kammerseifenoper der feierlich-hohlen Ansprachen, der leeren Gesten und goldenen Aphorismen.



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