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Kritik: „The Crown“, Staffel 3 – Royale Salon-Schmiere

Die Königin ist nicht amüsiert, als sie ihr gealtertes Profil auf einer neuen Briefmarke betrachtet. Die Lakaien schmeicheln ihr, aber Elizabeth sieht den Unterschied. Es ist 1964, sie regiert seit elf Jahren. Und auch der Zuschauer von „The Crown“ muss sich an ein anderes Gesicht gewöhnen: In den ersten beiden Staffeln wurde Queen Elizabeth von der zart-anmutigen Claire Foy gespielt, nun agiert die stoisch-grämlich dreinblickende Olivia Colman. Bei beiden Schauspielerinnen ähneln nur die Frisur und die Kleider der maskenhaften Königin, aber beiden sieht man die Bürde und Würde an.

Colman verkörpert den steifen, skeptischen Pragmatismus, wenn sie nach dem Premier­minister klingelt, viele Jahre der verhemmte Sozialist Harold Wilson, dann der hochnäsige Konservative Edward Heath. Natürlich verhalten sich Elizabeths Sympathien entgegen den Erwartungen. Dem trockenen Wilson schüttet sie, als er noch einmal ins Amt zurückkehrt, schließlich ihr Herz aus: Er sei ein guter Gefährte, sie und ihr Gatte würden sich freuen, wenn sie in Downing Street zum Abendessen eingeladen würden. Wilson, von Jason Watkins ergötzlich zerstreut gespielt, antwortet im Hinausgehen treuherzig: „Aber diese Ehre wurde doch nur Winston Churchill zuteil!“ Dem die Königin in einer schwülstigen Szene am Sterbebett versicherte, er sei der größte Brite.

„The Crown“, von Peter Morgan erfunden und geschrieben, erzählt eine Familien­saga als Staatsaffäre. Aber die Zeitläufte sind nur paradigmatische Zäsuren: das Grubenunglück im walisischen Aberfan 1966, nach dem die Queen sich lange weigerte, den Ort zu besuchen, die Mondlandung 1969, der Bergarbeiterstreik und die Stromsperre 1977, Prinz Charles’ Studien­semester in Wales und seine anschließende Investitur in der Episode „Tywysog Cymru“. Die Eskapaden der angeschickerten Krawallschachtel Margaret (chargiert: Helena Bonham Carter), die Sottisen und die Existenzkrise des gelangweilten Prinz Philip (blasiert: Tobias Menzies), die Finten des alten Lord Mountbatten (wie gemeißelt: Greg Wise), das Sterben des exilierten Skandalkönigs Edward (tutig: De­rek Jacobi) in der Obhut von Wallis Simp­son (hagerstolz: Geraldine Chaplin), die aufsässig-schmollende Prinzessin Anne (sarkastisch: Erin Doherty): lauter dialogische und schauspielerische Kabinettstückchen, eine Salonkomödie von Oscar ­Wilde, eine Seelenschmiere von John Osborne, eine prächtige Kammerseifenoper der feierlich-hohlen Ansprachen, der leeren Gesten und goldenen Aphorismen.

Die größte Sympathie gilt dem linkisch-rotwangigen Prinz Charles, einer zweifelnden, kümmerlich aufbegehrenden Hamlet-Figur, die Josh O’Connor mit nach vorn gebeugtem Kopf als unsicheren Schwarmgeist spielt, der um Camilla Shand buhlt. Onkel Dickie hintertreibt die Bemühungen des Marinekadetten: „Ein schöner langer Aufenthalt in Übersee wird ihn zur Besinnung bringen.“ Charles erkennt sich in seinem Onkel Edward, angeblich intelligenter, lustiger und freier als der Rest der Sippschaft, der deshalb auf den Thron verzichten musste. „Hüte dich vor deiner Familie!“, rät ihm Wallis Simpson nach Edwards Tod. „Sie meinen es gut“, sagt Charles. – „Tun sie nicht.“ Dann blickt Charles sich um und sieht seine ­jovialen Verwandten als Gruppenbild wie Mia Farrow die Nachbarn an der Wiege in „Rosemarys Baby“.

Peter Morgan kann es mit der historischen Wirklichkeit nicht genau nehmen, weil fast alles, was er zeigt und sagen lässt, in privaten Gemächern und Amtsstuben, in Schlafzimmern, Sälen und Flugzeugen, Gärten und Kirchen, an Swimmingpools, auf Polofeldern und Pferde­rennbahnen spielt. Er imaginiert das Intime. Die Wirklichkeit wird von Zeitungsschlagzeilen und Fernsehbildern repräsentiert, immerzu wird geklagt, man lebe in der schlechtesten aller Zeiten, alles falle auseinander. Nur die Königin steht noch. „The Crown“ ist eine royale Kitchen-Sink-Schmonzette, in der sich jeder ein anderes Leben erträumt und alle anderen zur Räson ruft, während Orchesterpomp aufbraust und die Kamera durch kostbar drapierte Kulissen fährt. Mit einem Wort: „The Crown“ ist, wie die Monarchie, ein unwiderstehliches Ärgernis.


David Fincher dreht „Chinatown“-Prequel für Netflix

Das könnte das interessanteste Netflix-Film-Projekt der nächsten Zeit werden: David Fincher wird für den Streaming-Anbieter ein Prequel von Roman Polanskis Mystery-Neo-Noir-Thriller „Chinatown“ inszenieren. Laut „Variety“ arbeitet der Regisseur mit dem Drehbuchautor des Films aus dem Jahr 1974 zusammen: Robert Towne. Geplant ist allerdings kein Film, sondern eine Mini-Serie, die sich auf Jake „J.J.“ Gittes frühen Jahre als Privatdetektiv konzentrieren soll. Bislang ist das Projekt aber noch in einer frühen Phase. Fincher und Towne werden gemeinsam an einem ersten Skript arbeiten und auch als ausführende Produzenten fungieren, wenn das Projekt wie geplant in Serie geht. „Chinatown“-Prequel: Wer ist dabei? Wenngleich noch…
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