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„Lulu“ live: ROLLING STONE streamt das Konzert von Lou Reed und Metallica am Freitag!


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Als polarisierend kann man „Lulu“, das Kind der Kollaboration von Lou Reed und Metallica, durchaus bezeichnen: Entweder man liebt die Platte, oder man hasst sie eben. Seit dem 28. Oktober kann man das Album nun hierzulande erwerben oder auch hier in limitierten Editionen gewinnen.

Am 11. November geben die Kollaborateure ein exklusives Konzert, präsentiert von 1Live. Wir vom ROLLING STONE streamen diesen Auftritt in den Kölner WDR Studios live. Los geht’s mit dem Video-Stream um 21 Uhr – den Player finden Sie am Freitag auf unserer Startseite.

Für unsere Novemberausgabe traf sich Torsten Groß mit Reed und Metallica. Lesen Sie hier einen Auszug aus unserem Feature.

Wedekinds Lulu-Dramen sind schwierige Stoffe, nahezu alle Inszenierungen gelten als gescheitert, quasi nicht adäquat auf die Bühne zu bringende Stücke … Wie haben Sie sich dem Material genähert, Mr. Reed?

Reed: Ich hatte absolut nichts mit der Inszenierung zu tun, das ist Bob Wilsons Problem. Ich kann nur über die Musik für das Stück und die Platte mit Metallica sprechen, und da gab es absolut keine Probleme.

Auch Sie werden sich in die Charaktere eingefühlt haben, um die Erlebniswelt der verschiedenen Personen auf Ihre Musik übertragen zu können, oder? Einige der Songs sind etwa deutlich aus der weiblichen Perspektive der Lulu erzählt. Wie leicht ist es Ihnen gefallen, diese einzunehmen?

Reed: Die Hauptfigur ist eine Frau, und nach allem, was wir wissen, bin ich wohl ein Autor. Man erwartet von mir, andere Perspektiven einnehmen zu können, das ist mein Job.

Mag sein. Aber es könnte doch trotzdem interessant sein, zumal für Leute, die selbst nicht schreiben, einen Einblick in Ihre Methodik zu erhalten …

Reed: Nun, wenn Sie das so toll und bemerkenswert finden, können Sie genauso gut einem Ukulele-Spieler dazu gratulieren, dass er eine Anfänger-Nummer wie „Twinkle, Twinkle Star“ beherrscht. 

Ulrich: Das ergibt Sinn. (lacht)

Hetfield: Ich spiele ein bisschen Ukulele, aber nur ein bisschen.

Nachdem Sie sich den Stoff also offensichtlich ohne Probleme angeeignet haben: Was für eine Frau ist Lulu in Ihrer Interpretation? Opfer, Hure, Femme fatale oder womöglich gar eine frühe Vorkämpferin der Emanzipation?

Reed: Letzteres wohl kaum! In Georg­ Wilhelm Pabsts Verfilmung „ Die Büchse der Pandora“ hat Loui-se Brooks die Lulu gespielt, ihre Interpretation der Figur diente mir als Grundlage. Die schnelle Abfolge verschiedener Liebhaber und die Art, wie sie mit diesen Männern umgegangen ist, war das Lustige an der ganzen Sache.

Nicht zuletzt wegen dieser für die Zeit ungewöhnlich starken Frauenrolle wurde Wedekinds Stoff zum Zeitpunkt seines Entstehens kontrovers diskutiert, das Stück entlarvte die bürgerliche Doppelmoral. Am Ende wird Lulu zum Opfer männlicher Besitzansprüche. 

Reed: Lulu ist das Gegenteil all dieser Dinge. Alle sind verrückt nach ihr, was sie selbst nicht im Gerings-ten kümmert. Sie unterwirft sich eben nicht.

Trotzdem wird sie zum Schluss umgebracht – von einem Mann.

Reed: Ja, sie wird bestraft. Aber nicht von irgendeinem Mann, sondern ausgerechnet von Jack The Ripper. 

Ein Vorgang, den Sie in dem Song „Pumping Blood“ relativ drastisch instrumentieren, die Grausamkeit des Mordes ist quasi­ körperlich spürbar.

Reed: Das ist einer unserer besten Songs.    

Sprechen wir über die geschäftlichen Aspekte dieses Projekts. Soweit ich informiert bin, hat keiner von Ihnen aktuell einen gültigen Plattenvertrag …

Ulrich: Es gibt nichts Unwichtigeres als Plattenverträge.

Reed: Ich spreche in Interviews grundsätzlich nicht über geschäftliche Dinge. Ich bin absolut nicht der Meinung, dass meine geschäftlichen Belange irgendjemanden etwas angehen. Ich äußere mich zu meiner Musik, dazu können Sie mich befragen.

Es gibt ein Zitat von Ihnen aus einem vorangegangenen Interview, in dem Sie diesem Aspekt eine besondere Bedeutung einräumen, deshalb die Frage. Es ging darum, herauszufinden, inwiefern diese Ausgangssituation etwas mit der künstlerischen Freiheit zu tun hat, auf die Sie hier im Gespräch so viel Wert legen.

Hetfield: Wir bei Metallica waren zu jedem Zeitpunkt unserer Karriere absolut frei in unseren künstlerischen Entscheidungen, mit oder ohne Plattenvertrag.

Wird es Konzerte geben?


Reed: Man darf nicht vergessen, wie viel Kraft es gekostet hat, diese Sache richtig zu machen. Die Vorstellung, das nun auf die Bühne zu bringen, jagt mir ein bisschen Angst ein. Diese Songs verlangen mir eine Menge ab, da gibt es einige Stellen, für deren Umsetzung ich einen sehr dunklen Ort in mir aufsuchen muss. Die Songs sind nicht nur aus Lulus Perspektive geschrieben worden, es gibt auch einige Sachen, die aus der Sicht jener Leute erzählt werden, die Lulu verletzt und sie letztlich auf dem Gewissen haben. Während man so etwas spielt, durchlebt man all diese Dinge. Wir sind ja keine Maschinen.

Bisweilen wirken Sie wie eine, auch im fünften Jahrzehnt Ihrer Karriere sind Sie überaus umtriebig. Was treibt Sie immer noch an?

Reed: Ich spiele nun einmal gerne.

Das ist alles?

Reed: So ziemlich. Ich schätze, ich bin wohl mit 14 in meiner Entwicklung stehen geblieben.

Ulrich: Dann bist du immerhin ein paar Jahre älter als wir. (lacht)


Reed: Was mich mein Leben lang interessiert hat, war, die traditionellen A-B-A-B-Standards im Songwriting zu durchbrechen und eine andere Form des Gesangs zu etablieren als in der Pop- und Rockmusik üblich. Aber ich habe nie die Leute getroffen, mit denen ich das optimal umsetzen konnte. Mit diesen Jungs habe ich es endlich erreicht.

Mr. Ulrich, Sie wollten gerade noch etwas sagen?

Ulrich: Ach Gott, irgendwas will ich immer sagen. Ich kann meinen Mund nicht besonders lange halten, da ist es nicht so schlimm, wenn ich mal nicht das letzte Wort habe – ich weiß, wo mein Platz in dieser Konstellation ist.


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