Matthias Schweighöfer: Ein Bild von einem Schwiegersohn

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Matthias Schweighöfer: Ein Bild von einem Schwiegersohn

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Matthias! kreisch! Schaut man Matthias Schweighöfers Grübchen an – sie bilden sich, wenn er lächelt, seine Augen sich verkleinern, wenn er das sanfte Kinn leicht nach unten schiebt –, dann ist man wieder drei Köpfe jünger und geschmeichelt von einer vertraut wirkenden Schönheit. Man erinnert sich an die Versprechungen der jugendlichen Liebe, die ja immer die Gefahr birgt, in der Erinnerung idealisiert zu werden. Abgekürzt könnte man auch sagen: Matthias Schweighöfer ist ein Schwiegermuttertyp.Vielleicht liegt darin sein Erfolg: Fast sieben Millionen Zuschauer haben allein seine drei Regiewerke, „What A Man“, „Vaterfreuden“ und „Schlussmacher“, im Kino gesehen. Preise, internationale Rollen, eine eigene Produktionsfirma, die Schweighöfer zur größten Europas machen will. Er sei auf einem guten Weg, die erste internationale Produktion sei in Arbeit, erzählt er. Vielleicht ist er aber auch so erfolgreich, weil er der deutscheste Schauspieler ist, den Deutschland zurzeit hat. Ein Volksschauspieler für die Generation ProSieben/Sat.1: Er macht Bierwerbung, ist Fußballerfreund und Clueso-Fan, war Dauergast bei „Wetten, dass..?“. Er spielte den jungen Reich-Ranicki, joggt, kichert mit den Kumpels über Geschlechtsteilwitze und spricht Dialekt. Seine blonden Haare, die niemals älter werden, eine Tochter, die Grete heißt und „Gretchen“ genannt wird. Und ein Lächeln, das die Kunst und den Mainstream, die ewigen Feinde, umarmend vereinen möchte. Und weil dieser Matthias Schweighöfer, geboren 1981 im ostdeutschen Anklam, Abitur in Chemnitz, eben so deutsch daherkommt, hassen die einen ihn so dermaßen, wie die anderen ihn lieben. Nicht ohne Grund versteht er sich hervorragend mit Til Schweiger, mit dem er „Zweiohrküken“ und „Kokowääh 2“ drehte. Til Schweiger wirkt nur eben etwas arroganter, sogar etwas glamouröser, der Cowboy mit Lamm im Arm, während Schweighöfer das Lamm ist, der Frauenschwarm mit dem etwas schlecht sitzenden Anzug. Der biederste Beau, den die neuere deutsche Filmgeschichte gesehen hat. Im Herbst 2014 dreht Matthias Schweighöfer in Berlin-Friedrichshain seinen Film „Der Nanny“. Lkws, Trailer und Cateringwagen stehen auf einem weiten Betongrund gleich neben der Spree. Auf der Dachterrasse eines Neubaus, in dem sonst Puma dem Einzelhandel sein Angebot präsentiert, wird eine Szene mit seinem Freund Joko Winterscheidt gedreht. Ein Ort, der so aussieht wie ein Filmset, obwohl er real ist. Mit einem Gewehr wird auf Tontauben geschossen, in Wirklichkeit nur in die Luft. Aber es knallt, und Winterscheidt jubelt, wie er es auch tut, wenn er in seiner Show gegen Klaas Heufer-Umlauf gewinnt. Ein wenig bedrückend, eine Männlichkeit imitierend, von der vermutlich nur Menschen, die so jubeln, glauben, dass sie was mit Männlichkeit zu tun hat. Dann kommt Matthias Schweighöfer um die Ecke, er ist sehr stark geschminkt, trägt einen Anzug, er spielt auch mit, es ist ungewohnt, ihn so zu sehen. Er schießt vorbei, keine Zeit, schnelles Hallo, professionell, denn er ist auch der Regisseur dieses Films, und er möchte Anika Decker, der Drehbuchautorin von „Keinohrhasen“ und Regisseurin von „Traumfrauen“, die gerade zu Besuch am Set ist, seine ersten fertigen Szenen zeigen. 95 Leute sind vor Ort, über 40 Drehtage lang. Das ist nicht wenig. Kandidatinnen aus der letzten (oder vorletzten) Staffel „Germany’s Next Topmodel“ sitzen mit Abend-Make-up und in bauschige Plastikjacken gehüllt auf dem Gelände, wischen wartend über ihr Handy. Legen sich rote Wärmflaschen auf den Schoß und krümmen sich über sie, wie nur sehr dünne Mädchen es können.

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