Mind the Gap! Ein Film über das Schicksal hinter der berühmtesten U-Bahn-Durchsage der Welt


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Es wären nicht die Briten, zelebrierten sie nicht selbst technologische Innovation noch mit einer Dosis Nostalgie: Die Sonos Playbase etwa ist ein hochmodernes System mit zehn Lautsprechern und ebenso vielen digitalen Verstärkern drin. Doch die Geschichte, die dem jungen Londoner Regisseur Luke Flanagan zu „Rescored“, einem von den Playbase-Herstellern ausgerufenen Filmwettbewerb einfiel, dreht sich ausgerechnet um einen seit Menschengedenken Megaphon-blechern über die Bahnsteige der Underground hallenden Sound: „Mind The Gap“, jene längst zum akustischen Wahrzeichen Londons mutierte öffentliche Durchsage, die gedankenverlorene Underground-Benutzer davor bewahren soll, im Spalt zwischen U-Bahn-Zug und Bahnsteig zu verschwinden, ist Titel und Thema seines siebenminütigen Films.

In ruhigen Bildern ohne Dialog erzählt Flanagan darin die wahre Geschichte der Witwe des Schauspielers Oswald Laurence. Nach dem Tod ihres Mannes steigt sie täglich in die Londoner Underground hinab, um ihn jene berühmten drei Worte vom Band sprechen zu hören. Bis das alte „Mind the Gap“ eines Tages von einer jungen Frauenstimme ersetzt wird.

Für Flanagan der Höhepunkt seines Schaffens

Die Pointe wird hier natürlich nicht verraten, aber Ende Juni im großen Studio One der Abbey Road glänzten hunderte Augenpaare in Richtung Leinwand. Dazu brachte ein Live-Orchester unter Leitung des (für seinen Score zu „Gravity“) Oscar-prämierten Komponisten Steven Price ein simples, aber effektives Soundtrack-Thema zu seiner sanften Auflösung. Für Flanagan, den jungen Filmemacher, war dies der der fortan schwer zu toppende Höhepunkt seines persönlichen Schaffens. Im Auftrag von Sonos hatte die aus Price, Beatles-Remixer Giles Martin, Kritikerin Mariella Frostrup und Film- und TV-Regisseur Simon Cellan Jones bestehende Jury seine Arbeit ausgewählt, und der große Hauptpreis dafür war nun die Uraufführung von Prices maßangefertigter, meisterlicher Filmmusik.

„Wenn Filmemacher mühsam das Geld für ihren Dreh aufstellen, ist das, wofür ihnen am Ende nichts mehr übrigbleibt, immer der Sound“, erklärt Simon Price beim unserem Gespräch neben den Abbey Road Studios das Prinzip des Wettbewerbs: „Wir wollten jemand die Art von Service geben, die einem professionellen Kinofilm zukommt.“

Zweifelsohne wollte Sonos mit dieser aufwendigen Übung aber auch etwas beweisen: In einer Zeit, da die steigende Qualität von Digital-Kameras aus Video-Bloggern Kurzfilm-Produzenten macht, haben sich Laptop-Speaker und Ohrenstöpsel insbesondere unter jüngeren Generationen als barbarisch regressiver Standard durchgesetzt. Wer aber „Mind the Gap“ einmal mit lebendigem Orchester erlebt hat, wird sich damit nicht mehr zufriedengeben, am wenigsten von allen Luke Flanagan selbst: „Steven hat mir eine völlig neue Klangsprache offenbart“, sagte er. „Es ist etwas ganz anderes, wenn man ein Orchester zu seinem Film spielen sieht und weiß, dass es eben das ist, was in uns solche Gefühle erzeugt. Daran wurde ich auf kraftvolle Weise erinnert.“

Mind The Gap from Luke Flanagan on Vimeo.