Piet Botha: Ein Urgestein der südafrikanischen Gegenkultur


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Der raubeinig wirkende Piet Botha macht seit mehr als drei Jahrzehnten Musik. Über 28 Jahre davon war er Frontmann der südafrikanischen Rockband Jack Hammer, zu deren Mitgliedern in den Anfangstagen übrigens auch der Schauspieler Billy Bob Thornton zählte (siehe Foto). Über 11 Studioalben nahm Botha mit Jack Hammer auf, als einzige Konstante im Bandgefüge nennen ihn viele Fans heute nur noch bei seinem Spitznamen „Hammer“.

Piet Botha kam 1955 als Sohn von Pik Botha, dem späteren Außenminister Südafrikas zu Welt. Pik, der in Zeiten der Apartheid mit dem Satz die Gemüter erregte, dass er sich einen schwarzen Staatspräsidenten für Südafrika durchaus vorstellen könnte, war trotz seiner vergleichsweise liberalen Haltung nicht nur ein positiver Einfluss für seinen Sohn: „Es war oft eine Bürde, weil ich immer mit ihm in Verbindung gebracht wurde. Du kannst nie du selbst sein. Und manche hassen dich, weil er dein Vater ist. (…) Was ich über die jahre gelernt habe, ist, dass Politik ein beängstigender Ort sein kann. An einem Tag ist jener Typ dein Freund, am nächsten ist er dein Feind. Aber deshalb haben wir uns ja auch in den Rock ’n‘ Roll und den Geist der 60er gestürzt. Wir wollten das System verändern“, resümierte Botha im April 2013 in einer Ausgabe des südafrikanischen ROLLING STONE.

Seine Distanz zur Obrigkeit war auch einer der Gründe, warum Botha erst 1997 ein ganzes Album in seiner Muttersprache Afrikaans aufnahm. Wie viele seiner Mitstreiter aus der Gegenkultur hatte er die früher als „Kolonial-Niederländisch“ bezeichnete Sprache lange als Ausdrucksform der privilegierten weißen Schicht Südafrikas betrachtet. Durch systemkritische Texte machte Botha diesen Widerspruch aber schließlich wieder für sich wett und thematisierte in Songs wie „Goeienag Generaal“ („Gute Nacht General“) den Irrsinn einer weißen Rasse, die ihre Reinheit bewahren will. Bis heute liegt ihm die Erinnerung an das Apartheidregime wie ein bitterer Geschmack auf der Zunge, und er möchte dieses Kapitel nach wie vor nicht einfach so zu den Akten gelegt wissen: „Es ist eine Geschichte voller Gewalt. Unglücklicherweise gibt es die alten Generäle immer noch, diese Nazis. Immer noch reden sie über den Bürgerkrieg in Angola und rechtfertigen sich. Es erschreckt mich“, so Botha.

Nicht zuletzt durch die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Gegenwart seiner Heimat wird Piet Botha heute allgemein als einer der wichtigsten Rockmusiker Südafrikas anerkannt. 2002 wurde er in die südafrikanische Hall Of Fame aufgenommen, 2005 wurde in seiner Heimatstadt Pretoria zu seinen Ehren ein Tribut-Konzert veranstaltet. Botha begegnet der Ehrerbietung mit Bescheidenheit: „Ich glaube nicht, dass ich besonders wichtig bin. Ich habe es einfach geschafft über all die Jahre diese Musik zu machen, zu überleben und mir meine Unabhängigkeit vom System zu bewahren“.

Im Sommer 2013 hat man die seltene Möglichkeit die Legende Piet Botha hierzulande live zu erleben. Vom 17. August bis zum 7. September tourt der 58-Jährige mit der aus Kapstadt stammenden Band Akkedis sowie der ostdeutschen Band Freygang durch Deutschland.

Das sind die Termine:
21. August         Berlin – „Rumbalotte continua“

23. August         Arnstadt – „Rockjungfer“

24. August         Apolda –  „Blues/Rock Open Air“
27. August         Berlin – „Speiches Rock-und Blueskneipe“
30. August         Gehren – „Waldbühne“
31. August         Berlin – „Wabe“ (mit Akkedis und Freygang)
05. September   Berlin – „BAIZ“
06. September   Potsdam – „Club Charlotte“
07. September   Dresden – „TanteJu“ (mit Akkedis) 

Der südafrikanische, auf englisch erscheinende ROLLING STONE hat im August 2013 den begnadeten Malombo-Gitarristen Philip Tabane auf dem Cover. Features gibt es unter anderem zu Macklemore, Aretha Franklin und dem von MTV organisierten Mega-Event „Africa Allstars“, bei dem dieses Jahr zum Beispiel Snoop Lion (the artist formerly known as Snoop Dogg) als Headliner seine „Message of Peace & Love“ überbringen durfte. Auf der Homepage und auf der Facebook-Präsenz des südafrikanischen ROLLING STONE gibt es derzeit viele Fotos vom Oppikoppi-Festival aus der Provinz Limpopo zu sehen. Außerdem beschäftigt man sich in der Sektion „Opinion“ mit dem „Mandela-Kult“ der durch den Tod des ehemaligen Staatspräsidenten losgetreten werden könnte.