R. Kelly: Prozessauftakt – Verteidigung bezeichnet Anklägerinnen als „verärgerte Groupies“


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Die Geschworenen sind vergattert, die Ermittlungsakten aufbereitet. Nun startet vor dem Federal Court in Brooklyn der bereits im Vorfeld viel diskutierte Prozess gegen den Sänger und Rapper R. Kelly. Besonders mit dem Erscheinen der Netflix-Doku-Reihe „Surviving R. Kelly“, in der mehrere Frauen explizite Anschuldigungen gegen ihn erheben, richtete sich das Meinungsbild in den USA eindeutig gegen Kelly. Die Vorwürfe müssen ab heute vor Gericht bewiesen werden. Zur Anlage kommen sechs konkrete Fälle von bislang anonymisierten Opfern.

Zwei Jahrzehnte lang war R. Kellys Team auf der Jagd nach jungen Frauen und Teenagern

Der in Untersuchungshaft einsitzende 54-Jährige ist angeklagt wegen sexueller Ausbeutung von Minderjährigen, Entführung, dazu Nötigung und Transport von Frauen und Mädchen im zwischenstaatlichen Handel, um sich an illegalen sexuellen Aktivitäten zu beteiligen, wie es in der Amtssprache der Justiz heißt. „Zwei Jahrzehnte lang war R. Kellys Team auf der Jagd nach jungen Frauen und Teenagern. Deren Träume, einen Superstar zu treffen, gerieten schon bald zu einem Albtraum aus Vergewaltigung, Kinderpornografie und Zwangsarbeit“, zitiert die News-Gruppe NBC einen Ermittler der Homeland Security Investigations.

Verärgerte Groupies?

Die Verteidigung weist die Anklage mit einem „Nicht schuldig“ in den besagten sechs Fällen in Illinois and Minnesota zurück. Douglas C. Anton, einer der Anwälte des Sängers, bezeichnete die Anklägerinnen als „verärgerte Groupies“. Ihr Vorwürfe hätten sie nur vorgebracht, auf den #MeToo-Zug aufzuspringen und davon zu profitieren. „Euer Ehren, dieser Fall ist nichts anderes als das schlechte Gewissen von Groupies“, schrieb Anton bereits zur Anklage-Erhebung 2019 laut öffentlichen Gerichtsakten in einem Brief an Bezirksrichterin Ann M. Donnelly, die dem heutigen Prozess auch vorsteht.

Donnelly achtete bei der Auswahl der Geschworenen, fünf Frauen und sieben Männer, auf deren Unparteilichkeit im Hinblick auf die Negativ-Stories über R. Kelly. Wie Associated Press (AP) berichtete, sagten einige der potenziellen Juroren, dass sie den Sänger hauptsächlich wegen seines 1996er Hits „I Believe I Can Fly“ kennen würden. Sonst wüssten sie wenig bis gar nichts über den Fall. Eine faire Urteilsbildung ist also gewährleistet.