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Bastille Wild World

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„You might have to excuse me“, singt Dan Smith im Auftaktsong, „Good Grief“, „I’ve lost control of all my senses.“ Das kann schon mal passieren, wenn einer zu viel Bastille hört – und Smith hat sich in letzter Zeit sehr intensiv mit seiner Band beschäftigt und mit der Frage, wo seine Sinne sie als Nächstes hinführen. Immerhin hat das Quartett vom Debüt, „Bad Blood“ (2013), mehrere Millionen verkauft, und ein Hit wie „Pompeii“ gelingt den meisten höchstens einmal im Leben. In dem kleinen Studio in London war die Aufregung sicher groß.

Ins Bockshorn haben sich die Briten nicht jagen lassen, das steht nach ein paar Minuten fest. „Oh my God, oh my God“, seufzt Smith in „The Currents“ und regt sich über all die Typen auf, die mit ihren reaktionären Hasstiraden die Welt verpesten. Alles schwelgt und wummert, Keyboards, Gitarren und Schlagzeug überschlagen sich – zu viel Pathos gibt es hier nicht. Bastille hauen ein Drama nach dem anderen raus, aber weil sie immer noch ein paar Beats und Samples dazutun, klingen sie trotz ihrer klassischen Melodieverliebtheit nie antiquiert. Eigentlich ist Dan Smith ein schick verkleideter, gut frisierter ­Hippie: Seine Lieder handeln von „An Act Of Kindness“ und „Warmth“, er wendet sich gegen „Lethargy“ und hält in „Power“ auch die andere Wange hin, zumindest eine Weile, um später festzustellen: „It pays to be the nice guy sometimes.“

In „Snakes“ singt dann ausgerechnet dieser Mann, der sich nicht geniert, vor aller Welt in höchsten Tönen und tiefster Verzweiflung zu barmen, davon, dass er sich manchmal gern verstecken würde: „It’s easier to bury my head in the sand sometimes/ I know, I know it’s not the right way to go/ But I pray for the ground to swallow me whole.“ Das wird wohl nichts. Bastille werden erst mal bleiben, sie machen ­ihre Sache einfach zu gut, um in der Versenkung zu verschwinden. „Send Them Off“ zum Beispiel ist mit seiner nervösen Melodie an sich schon ein Ohrwurm, aber die Briten bauen vorsichtshalber noch Zitate aus „Der Exorzist“ und „Othello“ ein, damit es auch ganz bestimmt nicht langweilig wird. Auf der Suche nach dem perfekten Popsong überschreiten sie bei aller Opulenz die Vier-Minuten-Grenze nur selten.

„Wild World“ endet mit „Winter Of Our Youth“, einem wehmütigen, meinetwegen auch rührseligen Abschied von der Jugend. Dan Smith ist gerade 30 geworden. Sein Selbstmitleid hört sich immerhin so an, als wollte er demnächst alles besser machen: „I let myself bathe in the past for way, way, way too long/ And now it seems I’ve drunk too much to give you what you want.“ Die letzten Töne singt der Schwärmer plötzlich ziemlich tief, das soll wohl heißen: von jetzt an ­erwachsen. (­Universal)

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