Courtney Barnett
„Creature Of Habit“
Mom + Pop (VÖ: 27.3.)
Lieder über das Ablegen alter Gewohnheiten.
Wer nicht sowieso schon wusste, was für eine großartige Songwriterin Courtney Barnett ist, sollte sich „Sugar Plum“ anhören: einen Song, der ganz harmlos mit einer „Purple Rain“-Chorus-Gitarre beginnt, sich zweieinhalb Minuten lang als Überforderungslamento ausgibt („I’m in over my head“), dann aber wie aus dem Nichts dank einer klitzekleinen harmonischen Verschiebung zu einer Hymne der Zuversicht wird.
Um Veränderung geht es in jedem Lied der Australierin
„Creature Of Habit“ ist ein großartiges Album über den Mut, sich selbst infrage zu stellen, Gewohnheiten abzulegen und sich auf Neues einzulassen. Von dem knurrig-verzerrten Bass und der Forderung nach Geradlinigkeit des ungestüm-rohen Openers, „Stay In Your Lane“, sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn die meisten Songs auf Barnetts viertem Studioalbum sind nicht so spröde und schroff inszeniert wie auf ihren früheren Veröffentlichungen. Sie flirtet weniger mit dem Garagenrock und mehr mit Americana. Selten wurde Neugier, die zu Paranoia werden kann, sanfter vertont als in „Wonder“, das dem Album seinen poppigsten Moment beschert. Und selten wurden Introspektion und Selbsterkenntnis so zärtlich und doch so schonungslos protokolliert wie in „Mantis“.
Um Veränderung geht es in jedem Lied der Australierin, die nun nach Los Angeles übergesiedelt ist. „Is it too late for making any changes?“, fragt sie etwa in „Site Unseen“, bei dem Katie Crutchfield (Waxahatchee) ganz wunderbar den Harmoniegesang übernimmt. Zu den Harmonieschnörkeln von „Mostly Patient“ singt sie: „I see you waiting for things to change“, zum Americana-Groove von „One Thing At A Time“ behauptet sie: „Oh my god, I’m ready for a change“, und im schluffigen Albumfinale, „Another Beautiful Day“, erklärt sie jeden Tag zur Chance auf einen Neuanfang.