Danger Mouse & Sparklehorse „Dark Night Of The Soul“



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Das ist doch alles viel zu schön, um nicht misstrauisch zu machen: Flaming-Lips-Sänger Wayne Coyne und Gruff Rhys von den Super Furry Animals, Ex-Grandaddy Jason Lytle und James Mercer von den Shins, alle auf einer Platte, alle mit der bewährten und geliebten Schläfriger-Sonnenkuss-Stimme. Dazu die Coolmänner Julian Casablancas und Iggy Pop, die Heilsdamen Nina Persson (Cardigans) und Suzanne Vega. Zum größten Überfluss auch noch David Lynch, der einzige Avantgarde-Regisseur mit Volksruhm.

Eine so hochkonzentrierte Sammlung angenehmster, abgesegneter Indie-Helden wie auf diesem Album hat man selten gesehen. Was daran trotzdem so traurig ist, konnte seinerzeit keiner wissen: Gastsänger Vic Chesnutt und Mark Linkous alias Sparklehorse, der „Dark Night Of The Soul“ als Mastermind mit dem Ex-Bettkantenrebellen und Gnarls-Barkley-Hitgiganten Brian Burton alias Danger Mouse konzipiert und produziert hat, leben nicht mehr. Das Sammelalbum gehört zu den letzten Werken, die Linkous vor seinem Selbstmord im März abschloss. Und es trägt die nachträgliche Bürde mit Leichtigkeit. Düster oder unheilig klingt hier nämlich fast nichts. Wenn überhaupt, dann ist „Dark Night Of The Soul“ eine goldene, sternenstaubige Himmelsmusik, die an die zuversichtlichsten Momente von Sparklehorse erinnert. Auch an den Texten muss man nicht ruminterpretieren, die haben die prominenten Sänger beigesteuert.

Die reguläre Veröffentlichung des Albums ist dabei nur der Schlusspunkt zu einer der typischen Guerilla-Copyright-Geschichten: Schon im Frühjahr 2009 stellten Linkous und Burton ihr Herzensprojekt fertig, für das sie ihren Lieblingssängern 13 Instrumentalstücke produziert hatten. Aus dem angekündigten Release wurde jedoch nichts. Ein Rechtsstreit mit EMI habe die Pläne durchkreuzt, entschuldigte sich das Duo. „Dark Night Of The Soul“ erschien im Mai 2009 nur als Bildband mit Lynch-Fotos und einem leeren, boshaften CD-Rohling – denn für praktische Selbstbrenner hatten die Initiatoren das Album längst als Stream ins Internet gestellt. Die Version, die nun viel zu spät doch noch in den traditionellen Handel kommt, unterscheidet sich nicht davon, ist also eher nette Geste, kein Plot-Twist. Und stand angeblich schon vor Linkous‘ Tod auf dem Programm.

Moralisch empfindliche Hörer können also endlich alles ohne Schuld genießen: Wayne Coynes John-Lennon-in-Space-Arie „Revenge“, Julian Casablancas‘ bedröhnten Post-Punk-Twist „Little Girl“, Iggy Pops „Pain“ mit dem großartigen Couplet „Your karma will not get you anywhere/ Look at Jesus and his hair“. Den Titeltrack, auf dem David Lynch wie aus einer Grube im Mississippi-Schlamm heraus vom Weg zur Erleuchtung erzählt. Und den entspannt tänzelnden Spät-Beatles-Shuffle „Daddy’s Gone“, wo zum letzten Mal die Stimme von Mark Linkous zu hören ist, im Duett mit Nina Persson, mit der gemeinsam gewisperten Refrainzeile „I woke up and all my yesterdays were gone“.

So viel versöhnlichen Fatalismus findet man sonst nie auf solchen All-Star-Platten. Damon Albarn wird nicht vermisst. (EMI)

Joachim Hentschel


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