David Bowie: „Station To Station“ – das Meisterwerk neu auf Vinyl
Als Junkie schuf Bowie sein bestes Album: Okkulte Zeichen, Thin White Duke, packende Songs. Was „Station To Station" nach 50 Jahren so faszinierend macht.
Seine Kunstfigur Thin White Duke beschrieb David Bowie als Barden, der über Romanzen singt, dabei aber nichts fühlt. Er malte okkulte Zeichen auf den Boden seiner Villa, ließ sich durch Hollywood kutschieren und stieg aus Angst nie aus dem Wagen. Im Titelsong erwähnte er erstmals und endlich das „Cocaine“, später entlarvte er im Bühnen-Talk das Ringen mit seinen hochtrabenden Konzepten als Junkie-Planlosigkeit: „Interessieren sich die Toten für die Belange der Lebenden? Kann ich den Fernsehsender wechseln, ohne die Fernbedienung zu benutzen?“
Sein Interesse an Nietzsches „Übermensch“, zuletzt 1971 in „Hunky Dory“ Thema, kehrte zurück. Es entstanden seine packendsten Songs: „Stay“, „TVC15“ und „Word on a Wing“.Die größten Entwürfe und Rollenspiele Bowies sind auf „Station To Station“ zu finden. Krautrock, Funk, Faschismus, Religion, Soul. Musik eines Europäers, der in den USA lebte, Soul lebte – und zurück nach Europa wollte, wo die Popmusik Orientierung suchte.
Es war seine erste komplette eigenständig klingende Musik seit „Space Oddity“ von 1969. Ziggy Stardust und dem Glam kam Marc Bolan zuvor. Bowies Rock’n’Roll spielten auch Lou Reed mit seinen Velvet Underground.„Station To Station“ markierte Bowies letzte Phase, in der seine Alben wie Bandprodukte klangen.
Die Band hinter dem Meisterwerk
Nach den Spiders from Mars stellte er ein hochkarätiges Kollektiv zusammen, mit dem er vier Jahre bis 1980 (als „Scary Monsters“ erschien) arbeitete: George Murray am Bass, Dennis Davis am Schlagzeug sowie Carlos Alomar an der Rhythmus-Gitarre; später stießen Roy Bittan (Tasten) und Earl Slick (Gitarre) hinzu.Eine Jubiläumsbox mit Extras (Liveaufnahmen, Memorabilia) erschien zum 40. Jubiläum. Zum 50. Jubiläum muss anscheinend eine Half-Speed-LP plus Poster reichen.