Ed Laurie: Cathedral (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Ed Laurie Cathedral


Moonpainter/Cargo VÖ: 03. August 2012


von

Für sein neues Album ist der britische Songwriter Ed Laurie einen mutigen Schritt gegangen: Mit Produzent Richard Neuberg (Viarosa) entstand ein Album, das die Sicherheit des englischen Tonstudios mit der Ungewissheit einer Session in Italien vertauschte. Wohl hatte Laurie bereits mit Teilen der Band gespielt, doch das neue Material war den Mitspielern unbekannt. Genau das war die Idee: Ein Album wie „Astral Weeks“, das spontan entsteht und von Instinkt lebt, anstatt auf Nummer sicher zu gehen.

Eine gute Woche lang spielte Laurie mit seinen italienischen, französischen und britischen Kollegen und erarbeitete das Repertoire aus Improvisationen, first takes und musikalischen Zufällen. Das Experiment gelang: „Cathedral“ ist eine tatsächlich intuitive und sehr außergewöhnliche Platte.

Außergewöhnlich, das ist hier ohnehin ein gutes Wort. Laurie schreibt und spielt seine Lieder zwar auf der (elektrischen) Gitarre, doch die Ergebnisse sind ganz anders als die des herkömmlichen Singer/Songwriters. Gypsy-Jazz, Flamenco, der Latin-Sound von Gitarristen wie Baden Powell – Lauries Einflüsse haben dieser nun drei Alben umfassenden Diskografie schon früh ihre Eigenart verliehen. Die man auch auf diesem neuen Werk gut hören kann. „Cathedral“ schwelgt und tastet, bebt und lauscht und bekommt durch Kontrabass, Geige und Saxofon einen eigenwilligen Grundton. Dazu weht eine tief empfundene Nostalgie durch diese manchmal sakral anmutenden Lieder – es scheint, als würde Laurie sich an eine ganz andere Zeit erinnern.

Trotz des Grenzgangs gehört Laurie ins Lager der Songwriter, in dem er – in Frankreich, Italien und dem UK mit durchaus messbarem Erfolg – auch wahrgenommen wird. Denn Laurie ist ein melancholischer Barde, der an Jeff Buckley erinnert, ohne dessen haltloses, schmerzbeladenes Timbre. Laurie hält sich zurück und gleicht denn eher einem edlen Flüsterer wie Leonard Cohen. Und doch ist „Cathedral“ kein bisschen distanziert, weil wunderbare Lieder wie „High Above“, „East Wind“ und das in bester Weise an Nick Drake erinnernde „Somewhere Gone“ mit großer Hingabe aufgeführt werden und Laurie ein feines harmonisches Gespür beweist. Der Habitus, die Arrangements, das Theater in Italien: Alles auf „Cathedral“ macht den Unterschied.

Beste Songs: „East Wind“, „Somewhere Gone“


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