Highlight: Musikempfehlungen von Hunter S. Thompson: Die wichtigsten Alben der Sechziger

Everlast Love, War, And The Ghost Of Whitey Ford


PIAS

Neben dem Klassiker „Wir sind jetzt zwar zu einem Majorlabel gewechselt, aber haben die volle künstlerische Freiheit behalten“ steht ganz oben auf der Liste der Musiker-Phrasen, die man eigentlich nicht mehr hören möchte, der Satz: „Dieses Album klingt völlig anders, als alles, was ich bisher gemacht habe.“ Mit diesem bewirbt gerade zum Beispiel Erik Schrody aka Everlast seine neue Platte „Love, War, And The Ghost Of Whitey Ford“, die dann doch mehr oder weniger genauso klingt wie seine bisherigen fünf Alben. Gut ist sie trotzdem.

Wieder geht es um Gewehre und Gefängnisse, um Tod und Teufel, um White-Trash-Dramen und die Wiederbelebung des Blues mit den Mitteln des HipHop. Etwa in dem von einer zappeligen Boogie-Gitarre begleiteten „Everyone“, in dem sich Everlasts Alter Ego Whitey Ford über die Ungerechtigkeit der Welt auskotzt: „Everybody cheats, everyone lies, everyone suffers and everyone cries.“ Mal erzählt er von den Fehlern, die noch gemacht werden müssen (das wuchtige Western-Singalong „Stone In My Hand“), mal reumütig von denen, die bereits passiert sind (die „Knockin‘ On Heaven’s Door“-Paraphrase „Tuesday Morning“). Und irgendwann landet er zwangsläufig im Knast und singt Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“.

Immer wenn Everlast der aufklärerische Furor packt, drängt sich der HipHop lautstark in den Vordergrund. Etwa im zu zornigen Fanfaren einmarschierenden „Kill The Emporer“ und dem griesgrämigen „Naked“ – zwei Songs, die miteinander korrespondieren und bei denen so verbittert über die Verlogenheit der Politiker gerappt wird, dass man sich an Everlasts Vergangenheit bei House Of Pain erinnert fühlt.Besser als solche, etwas plakativ geratenden Abrechnungen („The rich they get richer/ The poor they get poorer“) gelingen Everlast auf „Love, War, And The Ghost Of Whitey Ford“ vor allem seine angerockten Balladen. Das vor sich hin schlurfende mörderische Liebeslied „Anyone“, das sich um einen tollen Groove windende „Weakness“, bei dem er auf eine Ex-Hure namens Lucille trifft, oder „Let It Go“, bei dem es zu einer funky-souligen Gitarre um Unschuld und Ungeduld geht, und darum, wie schwer es ist loszulassen.

Nein, völlig anders als alles, was Everlast bisher gemacht hat, klingt diese Platte nicht. Doch außer ihn stört das wahrscheinlich keinen. (Pias)


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