Spezial-Abo
Highlight: „Where The Wild Roses Grow“: Kylie Minogues Wiedergeburt als Wasserleiche

Gallon Drunk The Road Gets Darker From Here


Clouds Hill/Rough Trade VÖ: 10. August 2012

Natürlich ist man versucht, „The Road Gets Darker From Here“ auch als Requiem für Simon Wring zu hören. Der 2011 verstorbene Bassist konnte die Sessions zum Album schon nicht mehr mitmachen, Gallon Drunk sahen sich reduziert aufs Kerntrio mit Voodoo-Priester James Johnston, Rhythmus-Schamane Ian White und Sax-Stoiker Terry Edwards. Und natürlich landet man mit dieser Prämisse zwischen all dem schön-schaurigen Krach bei „Stuck In My Head“, einem fragilen Duett mit der französischen Sängerin Marion Andrau (Underground Railroad), das James Johnston ohne Umschweife eröffnet: „Now you’re gone, it’s all too late, like a song you’re here stuck in my head …“

Zu diesem Zeitpunkt ahnt man freilich schon, dass Gallon Drunk Trauer und Erschütterung, Wut und wohl auch Schuldgefühle vor allem in ein trotziges Überlebensstatement verwandelt haben. Das standesgemäß beginnt mit einem angezerrten Riff aus dem großen Rock’n’Roll-Handbuch im lässig hingerotzten „You Made Me“ und dem gerade noch kontrollierten Gitarren-Inferno von „Hanging On“. Das später schöne Trotz-Stücke wie „I Just Can’t Help But Stare“ hervorbringen wird. Und das zuvor auf einem rollenden Beat des formidablen Ian White im hypnotischen „Killing Time“ zum Höhepunkt gekommen war. „Forget the truth, I’d rather have a lie, and the walls are falling in, and we just lost everything“, barmt Johnston, bevor er klarstellt: „Tell the world outside, we’re alive, we’re still here, we’re fine.“ Ziemlich großartig auch der folgende Swamp-Boogie „The Big Breakdown“.

Erstmals überhaupt haben sich Gallon Drunk ja wirklich einem Produzenten (dem Hamburger Analog-Spezialisten Johann Scheerer) anvertraut. Und es ist von einiger Ironie, dass „The Road Gets Darker From Here“ unproduzierter klingt als vieles zuvor. Aber vermutlich steckt der Teufel auch hier in den Details, die man eher fühlt als wirklich hört. Wie im halluzinierenden Finale „The Perfect Dancer“, das James Johnston noch einmal mit Marion Andrau zusammenführt, bevor alles vergeht bis auf Whites Floor-Tom-Groove. 

Beste Songs: „Killing Time“, „The Perfect Dancer“


ÄHNLICHE KRITIKEN

Nick Cave And The Bad Seeds :: Ghosteen

Das 18. Studioalbum von Nick Cave And The Bad Seeds ist so etwas wie die große Schwester von „Skeleton Tree“....

Nick Cave :: No More Shall We Part

Gallon Drunk (feat. Dirk von Lowtzow) :: "Close the Blinds"


ÄHNLICHE ARTIKEL

Nick Cave and The Bad Seeds sagen Europatour 2020 ab

Angesichts der sich verschärfenden Corona-Krise hat Nick Cave seine bevorstehende Europa Tournee abgesagt. Daran glauben müssen unter anderem leider auch vier Deutschlandkonzerte.

Die Alben des Jahres 2019: Marc Vetter

Das letzte Großwerk eines zweifelnden Lyrikers, Melancholisches von Wilco und Tindersticks, zweimal Big Thief und Jazz aus UK - die Platten des Jahres von ROLLING-STONE-Autor Marc Vetter.

Nick Cave: Neues Album „Ghosteen“ - Fakten, Stream und Kritik

„Ghosteen“ ist der Nachfolger des Traueralbums „Skeleton Tree“ aus dem Jahr 2016. Haben Nick Cave And The Bad Seeds ein neues Meisterwerk aufgenommen?


Nick Cave and The Bad Seeds sagen Europatour 2020 ab

Im Oktober vergangenen Jahres wurde angekündigt, dass Nick Cave mit den Bad Seeds im Mai 2020 erstmals wieder live nach Deutschland zurückkehren würde. Im Rahmen einer sich über 19 Ländern erstreckenden Europatournee, wollte die Band die Neuerscheinung ihres jüngsten Studio-Albums „Ghosteen“ feiern.  Wie ROLLING STONE berichtete, waren insgesamt vier Arena-Konzerte in Deutschland geplant, unter anderem in den Städten Köln, Hamburg, Berlin und München. Einem offiziellen Statement der Band entnehmend sollen diese, aufgrund der derzeit wütenden Corona-Pandemie, allerdings nun doch nicht stattfinden. Zu groß sei das Risiko für die Fans. Für Ersatztermine solle man sich aber bereits kümmern. So schreibt die Band auf ihrer…
Weiterlesen
Zur Startseite