Here We Go Magic  : A Different Ship (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Here We Go Magic   A Different Ship


Secretely Canadian/Cargo VÖ: 11.05.2012


von

Im vergangenen  Jahr veröffentlichte Luke Temple ein schönes Soloalbum titels „Don’t Act Like You Don’t Care“ und offenbarte sich als Spezialist für 70s-inspiriertes Songwriting und Meister der Atmosphäre. Auf den Alben seines Projekts Here We Go Magic präsentierte er – zunächst im Alleingang, dann mit Unterstützung einer richtigen Band – den klassischen Pop der Sechziger und Siebziger, wie der Brite sagt, in a nutshell.

Aus der Nussschale ist nun ein richtiges Schiff geworden, und erster Steuermann ist der für warme und volle Sounds bekannte Radiohead-Hausproduzent Nigel Godrich. Der Klang von „A Different Ship“ ist also um einiges größer als auf den ersten beiden mit bescheidenen Mitteln produzierten Here-We-Go-Magic-Alben.

Zunächst steigen wir im Intro hinab in den rumpelnden Maschinenraum eines Schiffes. Dann kommt vom Ozean her ein simpler Folksong herübergeweht, der durch jangelnde E-Gitarren und vertrackten Rhythmus immer komplexer wird, bis er klingt wie ein Paul-Simon-Stück. Im Verlauf schleichen sich noch häufiger solche Schönheiten an, die ihre volle Pracht erst nach mehrmaligem Hören offenbaren – „Alone But Moving“, „Made To Be Old“ und vor allem das Wunderwerk „Miracle Of Mary“.

„Make Up Your Mind“ dagegen packt einen sofort, hat die verquere Dynamik der frühen Talking Heads und einen Refrain wie bei Hall & Oates geklaut, „I Believe In Action“ baut sich aus repetitiven Rhythmen zu radioheadesker Erhabenheit, „How Do I Know“ beginnt als Schrummel-Pop und spinnt sich in einen psychedelischen Himmel aus Harmonien und Synthie-Sounds. Am Ende steht der Titelsong – zunächst lieblich einlullend, dann ein sonischer Albtraum, ein „A Day In The Life“, ein „Interstellar Overdrive“. Wir sind zurück im Maschinenraum des Schiffes, und wir sehen: Dieser Motor wird mit einer großen Plattensammlung betrieben.


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