John Williams Butcher’s Crossing

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„Stoner“, dieser grandiose wiederentdeckte Roman von 1965 über einen stoischen, gleichmütigen Literaturprofessor irgendwo in Missouri, war nicht nur ein Campus-Buch, sondern im weitesten Sinne auch ein Western: Denn John Williams erzählt in seiner unnachahmlich genauen Sprache die Geschichte einer Selbstfindung, einer Konfrontation mit dem Ich, also das, wovon dieses Genre in erster Linie lebt. Erst die Beschäftigung mit der Literatur lässt den Bauernsohn zu einem anderen werden. Im Vorgängerroman, dem waschechten Western „Butcher’s Crossing“, treibt den wohlhabenden Harvard-Abbrecher Will Andrews etwas anderes um: Er sucht 1870, zunächst in einem Kaff in Kansas, nach „Wildheit“. Er wird sie während einer schier endlosen Büffeljagd finden, die all das für ihn bereithält: monatelange unsägliche Strapazen, das bestialische Abschlachten der Tiere in der Prärie, den Tod eines seiner Mitstreiter. Und wenn am Ende alles – nicht nur in kapitalismuskritischer Hinsicht – verloren scheint, so ist vielleicht gerade diese Erkenntnis das, wofür Andrews beinah mit dem Leben bezahlte. (DTV, 21,90 Euro)

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