Kritik: „Only Murders In The Building“ – Staffel 2




Wenn Podcasts die neuen Serien sind und auf Podcasts basierende Serien (etwa „Homecoming“) zu Kritikerlieblingen avancieren, was passiert dann mit einer Serie, die sich um die Entstehung eines Podcasts rankt, der sich – ganz schön meta – mit den Schwierigkeiten einer zweiten Season befasst und von Amy Schumer zur Serie gemacht werden soll? Im Idealfall wird sie ein ähnlicher Erfolg – wie die im vergangenen Jahr auf dem Disney+-Ableger Star zum Überraschungshit avancierte Auftaktstaffel von „Only Murders In The Building“. Wer hätte denn im Vorfeld auch geglaubt, dass eine Dramedy mit Ex-Comedy-Stars wie Steve Martin, dem oft eher nervigen Martin Short und der Pop-Prinzessin Selena Gomez zum Erfolg werden würde?

Aber das ist eben das Geheimnis dieses charmanten Crime-Comedy-Halbstünders: Steve Martin spielt den Ex-TV-Star Charles Hayden Savage, Martin Short die nervige und selbstverliebte Ex-Broadway-Größe Oliver Putnam. Und zusammen mit der leicht zickigen Mabel (Selena Gomez) stolpern sie in einen Mordfall, den sie in einen regelmäßigen Podcast-Erfolg verwandeln. Inklusive eines recht spektakulären Gastauftritts von Sting (als Verdächtiger). Die Kunst imitiert hier quasi das Leben.

Im Verlauf von zehn Episoden hat das nicht nur zum Bruch mit so manch serieller Konvention geführt (eine Episode kam etwa ganz ohne Dialoge aus), sondern zunehmend auch zu begeisterten Zuschauerreaktionen. Und dazu, dass eine der Hauptfiguren im überraschenden Cliffhanger selbst unter Mordverdacht gerät.

Die nur rund acht Monate nach Ende der ersten Staffel jetzt gestartete zweite Season knüpft direkt hier an. Charles, Oliver und Mabel müssen nicht nur ihre Unschuld am Tod einer Nachbarin beweisen, sondern sich gleichzeitig auch mit den gleichen Fragen beschäftigen wie ihre seriellen Schöpfer. Insbesondere jener nach den Qualitäten, die eine gute zweite Season auszeichnen.

Denn auch die drei ungleichen Podcaster nehmen wieder Ermittlungen und Podcast-Episoden auf. Diesmal allerdings in dem Wissen, es als Podcaster wirklich zu etwas bringen zu können. Nicht nur in Konkurrenz zu ihrem einst großen Vorbild (Tina Fey), das ihnen ihren Erfolg streitig machen will, sondern auch in Hinblick auf mögliche Folgekarrieren: Charles könnte seine alte TV-Serie „Brazzos“ zurückbekommen, während Amy Shumer (die das Apartment von Sting bezogen hat), den Podcast verfilmen und bei der Gelegenheit auch Charles erobern will. Dazwischen wuchert jede Episode mit neuen Indizien und verdächtigen Spuren, außerdem mit Gastauftritten, von denen jener von Shirley MacLaine sicher der spektakulärste sein dürfte.

Und das bringt uns zum Geheimnis einer gelungenen zweiten Staffel zurück. Das liegt nämlich nicht im Meta-Geplänkel und großen Namen wie jenen von MacLaine oder Cara Delevigne, sondern in der Verbindung der Figuren zueinander und zum Zuschauer. Denn am Ende geht es auch in Staffel zwei (fast mehr noch) um einsame Seelen, ihre Geheimnisse und um den Halt, den sie einander (und uns Zuschauern) geben. Das hat insbesondere während der Hochzeit von Corona blendend funktioniert. Aber seither sind die Krisen nicht weniger geworden. Weshalb uns serieller Seelenbalsam wie dieser auch in zweiter Season gerade recht kommt …

Die ersten zwei Episoden ab dem 28. Juni auf Star (Disney+), neue Episoden immer dienstags.


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