Search Toggle menu

Maximillian Hecker „One Day“


Es ist das alte, hübsche Elend. Das Waten in sämiger Schwermut quer durchs nebelumflorte Heckerland, in dem bekümmerte graue Häschen ganz leise hoppeln, um den verhuschten Sänger nicht beim niedergeschlagenen Liegen zu stören.

Aber hey, so geht es nun mal zu bei Maximilian Hecker. Und es hat durchaus auch tröstliche Qualität, dass er auf seinem fünften Album trotz rasender Erfolge in Asien (wo man sich auf Konzerten um sein Schwitzehandtuch balgt und mit seinen Liedern Werbespots für vermutlich sehr weiche Produkte untermalt) mit demselben wunden Schmelzschmalz-Gesang immer noch die gleichen zarten, flattri-gen Trauermärchen erzählt.

Zum ersten Mal hat Hecker seine Band am Aufnahmeprozess beteiligt und einzelne Lieder mit Gitarren, Klavier, Schlagzeug und Glockenspiel fast schon üppig instrumentiert. Dafür fehlen kleine Störer wie von schräg links dazwischendrängelnde Gitarren. „Ich saß da und habe mich gehasst und habe dieses Lied gehasst, das ich schreibe“, plaudert Hecker pelzbemützt in einem Promovideo zu „One Day“ aus dem Wehkästchen.

Die fertige Aufnahme aber nehme den Hörer mit in eine Parallelwelt, in der es keine Schmerzen gibt. Tatsächlich findet sich neben all dem „All that I am is nothing“ auch ausreichend „Nothing’s lost, my friend, this is not the end“. Hoffnungsfitzel, die das Leiden an der immerfort verzögerten Reise in das körperlose Lichtland relativieren.

„One Day“ schließlich, der tapfere, Geigen umschnörkelte Happily-ever-after-Gesang davon, dass irgendirgendirgendwann auch dieser geplagte Künstler die Ketten vom Herzen sprengen, die Ernte einbringen, den Engel heimführen wird, ist reine katholische Osterfreude. (Louisville/Warner)

Anja Rützel


Im Sog der Leidenschaften: Erinnerung an die eruptiven Filme von Nicolas Roeg

Nicolas Roeg ist immer ein Außenseiter des Kinos geblieben. Fast könnte man sagen, dass er diesen Platz ganz bewusst verteidigt hat vor den (allerdings spärlichen) Versuchen, ihn zum Klassiker des experimentellen Kinos zu erheben. In fast allen seinen Filmen porträtierte er ganz buchstäblich Außerirdische, Verstoßene, dem Höllensumpf der Gesellschaft entflohene Sonderlinge, die dem Ruf der Wildnis auf Gedeih und Verderb verfallen sind und zwanghaft nach ihrer Identität suchen. Natürlich kennt die ganze Welt „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973), der im englischen Original so wundervoll wie weltabgewandt „Don’t Look Now“ heißt. Eine inzwischen kultisch verehrte und gespenstische Meditation über den…
Weiterlesen
Zur Startseite