Nirvana: Bleach (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Nirvana Bleach



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Aufrechte Indie-Apostel bevorzugen „Bleach“, wenn nicht „In Utero“. Der Beststeller „Nevermind“, von Butch Vig zum ebenso dichten wie glatten Rock-Rausch veredelt, gilt in diesen Kreisen als Hollywood. Auch die „Bleach“-Edition zum 20. Jubiläum klingt nun schundig und scheppernd – Jack Endino hatte die Aufnahme offenbar für 600 Dollar angefertigt, wie im Booklet vermerkt ist. Auch sonst werden neben Fotos aus der Zeit stolz einige Rechnungen und Bestellformulare präsentiert, um zu beweisen, was für bescheidene Verhältnisse damals bei Sub Pop herrschten. Als hätte das jemand bezweifelt. Aus Erinnerungen und Famas hätte man 500 Seiten schneidern könne, doch diese Ausgabe enthält gar keine Liner Notes.

Dafür gibt es ein Konzert aus dem Februar 1990 in Portland, Oregon, nicht weit von Seattle also. Nirvana hatten dort natürlich nur ein kleines Programm zur Auswahl, spielten aber auch „Blew“ und „Been A Son“. An dem Debüt-Album war noch der Schlagzeuger Chad Channing beteiligt, der es nicht bis „Nevermind“ schaffte, und die Songs von Kurdt Kobain – wie er sich damals schrieb – wucherten ins Lärmende und Zerschossene, mit schwerer Drum-Wucht. Doch „About A Girl“, der berühmteste Song der Platte, deutete die Pop-Sensibilität Cobains schon an. „Negative Creep“ kam dagegen durchaus aus der Motörhead-Schule. „Bleach“ ist nicht der brennende Dornenbusch.
Zwei Jahre später waren Nirvana die größte Band des Planeten. Nur die Beatles hatten sich so schnell entwickelt – und so erfolgreich.


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