Norah Jones: Little Broken Hearts (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Norah Jones Little Broken Hearts


EMI VÖ: 27. April 2012


von

Klar, das ist mal wieder die Lieferung für die Cappuccino-Freunde. Latte-Macchiato-Musik, also das, wovon echte, röststoffgegerbte, mit Blechbechern bewaffnete Kaffeetrinker die Finger lassen sollten. Den Ruf wird die Sängerin und Songwriterin Norah Jones eh nicht mehr los, egal, was sie tut. Sie als kleine, fleißige, lustfeindliche Blue-Note-Streberin zu positionieren, das war Anfang 2002 noch eine gute Idee, mit der Fantastillionen von Platten verkauft wurden. Heute ist die Landschaft so dicht von ewigen Musikschülerinnen besetzt, dass man schon größere Alleinstellungsmerkmale braucht (sehr ungewöhnliche Körpermaße oder Ähnliches).

Und während der Milchschaum schäumt und blubbert, hat Norah Jones – das Engelsauge, immer noch klein – nun tatsächlich und endlich eine richtig großartige Platte aufgenommen, ihre fünfte. Das hat sich schon angedeutet, als sie 2011 beim „Rome“-Album des Produzenten Danger Mouse mitmachte, als man in den Videos sah, wie sie im Trägerkleid auf dem Teppichboden saß oder halb lag und wie eine verwunschene Ballprinzessin sang, mit hangover und rätselhaften Schürfwunden, trotzdem stolz und wunderschön.

Genau so ist nun dieses ganze Album, „Little Broken Hearts“, das der besagte Danger Mouse mit ihr aufgenommen hat. Im Prinzip auch wieder nostalgische Musik, wie sie gerade alle spielen, also mit Sixties-Dunst und Franzosen-Aroma. Aber so, wie man das eigentlich machen muss und wie es kaum einer macht: voller Spiegelfechtereien, verschiedenen Ebenen, eigentümlichen Kinderinstrumenten, überraschend glasklaren Riffs. „Does she make you happy?“, singt sie immer wieder in „She’s 22“, und wen diese Art der exzellent unsouveränen Melancholie an Françoise Hardy oder Brigitte Bardot erinnert – den muss man an den kleinen, haarspalterisch wirkenden Unterschied erinnern, der ganz sicher dafür verantwortlich ist, dass Norah Jones in diesem diffusen Genre hier ein kleines Meisterwerk geglückt ist: Sie kann die Sachen vorher selbst schreiben, die sie singt. Zum ersten Mal kriegt man ernsthaft aufgestellte Nackenhaare davon. Und ein paar blutdunkelrote, unvergessliche Albträume.

Beste Tracks: „She’s 22“, „Out On The Road“

Hier der Albumstream:

 


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