Paul Simon Graceland – The Remixes

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Als „Graceland“ 1986 erschien, wurde kritisiert, dass Paul Simon für erste Aufnahmen eigens nach Südafrika gereist war. Damit umging er den im Westen aufrechterhaltenen künstlerischen Boykott gegen das Land, um Druck auf das Apartheid-­Regime auszuüben. Doch getadelt wurde zwischen den Zeilen auch, dass hier ein vermeintlich satter weißer Musiker, der sich selbst gern einen „Relationship Singer“ nannte, sich politisch unbekümmert afrikanische Rhythmen und Sounds aneignete, um seiner Musik neue Lebendigkeit zu verleihen.

„Graceland“ wurde jedoch schnell zu einem Klassiker der Weltmusik, weil Simon zeigte, welch brodelnde musikalische Energie es auf dem afrikanischen Kontinent zu entdecken gab. Zumal der Songwriter einige der besten Musiker Südafrikas engagierte. Was könnte also ergiebiger sein, als eine jüngere Musikergeneration, die Simons angebliche kulturelle Blauäugigkeit mit einer Neufassung überschreibt und sich den Spirit dieses Albums zurückholt?

Doch das, was nun unter dem Titel „Graceland – The Remixes“ erscheint, ist genau das Gegenteil: eine seelen- und richtungslose Ansammlung von Deep-House- und Dance-Neufassungen, die der Platte ihren Weg in die Clubs bahnen soll, zugleich aber ihre Ambiguität zugunsten selbstverliebter Eindeutigkeit ausmergelt.

Dabei fängt es mit dem von frohsinnigen Latino-Beats gestreckten „Home­less“ in der Version von Joris Voorn noch passabel an. Doch schon Joyce Muniz’ Interpretation von „Gumboots“ weist Paul Simon den tristen Weg in die Techno-­Hölle. Immerhin gibt es einige Überraschungen, zum Beispiel das mit Echos, Hall und Elektro-­Spielereien herrlich überladene „I Know What I Know“ (Sharam). Der Titeltrack wurde von The MK & KC Lights außerdem mit rührender Ehrfurcht erhitzt. Doch Groove Armadas Dub-­Verstümmelung von „You Can Call Me Al“ kann eigentlich nur ein schlechter Witz sein. Besonders irritierend: Die „Graceland“-Remixes verwenden Simons Texte oft nur ideenlos als Klangfragmente. (Sony)

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