Steven Spielberg „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ 40th Anniversary

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Kein Spielberg-Werk spaltet Kinogänger derart in zwei Lager: Einige verabscheuen den Ufo-Fanatiker Neary (Richard Dreyfuss), der am Ende des Films auf Nimmerwiedersehen in ein Raumschiff steigt und sich freudig, nur per Schulterblick, von seiner Familie verabschiedet. Fans wiederum betrachten Neary als unschuldigen Süchtigen. Als Alter Ego des damals 31-jährigen Regisseurs, der sich, nachdem er mit dem Vorgänger, „Der weiße Hai“, zum Erfinder des Blockbusters geworden war, auf seinem Weg zur lebenden Kinolegende befand. Spielberg engagierte für seine Geschichte um den einfachen Elektriker Neary, der nach einer Ufo-Sichtung von der Vorstellung außerirdischen Lebens besessen ist, eine damals schon große Kinolegende: Der französische Regisseur François Truffaut spielte, kaum des Englischen mächtig, einen Forscher, der mittels der Musik-sprache Solresol des Komponisten Zoltán Kodály mit Aliens kommuniziert.

Die Darstellung der Roswell-artigen Außerirdischen – geschlechtsloser Nackedeis mit Riesenköpfen – erinnerte an Scifi aus den Fünfzigern. Ein krasser Gegensatz zum noch erfolgreicheren, moderneren All-Abenteuer des Jahres 1977, als George Lucas in „Krieg der Sterne“ staubige, „lebensechte“ Aliens auffuhr. Spielberg schnitt die „Begegnung“ nach dem Kinostart noch zweimal für alternative Fassungen neu. Sie spiegeln den Druck wider, die Abkehr seines Helden Neary von der Familie zu begründen. Die Produzenten wünschten sich, dass er auch Szenen innerhalb des Ufos zeigt, was die Kinoversion aussparte.

Die „40th Anniversary Edition“ beinhaltete alle drei Filme. Das Original (135 Minuten), die 1980 angefertigte „Special Edition“ (132 Minuten) sowie den „Director’s Cut“ von 1998 (137 Minuten). Nur fünf Jahre später machte Spielberg seine eigene 180‑Grad-Wendung: Mit „E.T.“ huldigte er der Macht der Familie, dem Sog, den sie ausüben kann. Ein gestrandeter Außerirdischer findet ein Zuhause auf der Erde – doch er muss wieder weg, weil er weiß, wo er hingehört. (Sony)

Im Sog der Leidenschaften: Erinnerung an die eruptiven Filme von Nicolas Roeg

Nicolas Roeg ist immer ein Außenseiter des Kinos geblieben. Fast könnte man sagen, dass er diesen Platz ganz bewusst verteidigt hat vor den (allerdings spärlichen) Versuchen, ihn zum Klassiker des experimentellen Kinos zu erheben. In fast allen seinen Filmen porträtierte er ganz buchstäblich Außerirdische, Verstoßene, dem Höllensumpf der Gesellschaft entflohene Sonderlinge, die dem Ruf der Wildnis auf Gedeih und Verderb verfallen sind und zwanghaft nach ihrer Identität suchen. Natürlich kennt die ganze Welt „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973), der im englischen Original so wundervoll wie weltabgewandt „Don’t Look Now“ heißt. Eine inzwischen kultisch verehrte und gespenstische Meditation über über…
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