The Fratellis

Here We Stand

Das Glasgow-Trio bleibt vorerst bei catchy Instant-Riffs

Dass Vorabmusik den Gutachter ungemastered erreicht, kommt schon mal vor — dass gleich ein komplettes Album noch ungemischt zur Rezension verschickt wird, eher gar nicht. Aber zum juvenilen Hau-Ruck-Charme der Fratellis passt dieser Rohling natürlich wie der Schal zur Westkurve, wo Feinheiten ja auch nicht unbedingt gefragt sind — und Jon, Barry und Mince mit „Chelsea Dagger“ auf Anhieb Einzug gehalten haben.

Da stehen sie also wieder, die drei Jünglinge aus Glasgow, diesmal ganz stolz im eigenen Studio ohne Produzentenhilfe, und können wieder mal überhaupt nicht anders, als catchy, catchy, oh so verdammt catchy zu sein. Dabei hat das Trio als neuen Erfüllungsgehilfen ein sogenanntes „Killer“-Piano entdeckt, das auch durch die erste Single „Mistress Mabel“ hämmert. Und lugt da nicht für etwa acht Sekunden ein klitzekleines „Who’s Next“-Break hervor? Da kommt jedenfalls noch mehr. Nämlich Mädchen, die nicht anders können (und deshalb schon mal mit dem schalen Licht eines „Strangers Moon“, aber hübschem Gitarren-Spiralnebel vorliebnehmen müssen). Oder dann doch ganz anders sind, wie Jon Fratelli bei Basisstudien herausfand. „To some she was a swinger“, reimt er, „me I only know her as the Actd Jazz singer.“

Acid Jazz gibt’s hier nicht, dafür von „My Friend John“ über „Shameless“ und „Look Out Sunshine“ bis „Tell Me A Lie“ ein krachendes Instant-Riff nach dem anderen. Und zwischendurch haben sie fürs „Baby Doll“ auch schon mal die „Ich schnurre wie der liebste Kater für dich“-Variante drauf. „Here We Stand“ ist Solid Gold Easy Action (das sie auch schon gecovert haben), mit Dessous-lastigen Videos ist zu rechnen.

Aber spannender als dieses Album ist eigentlich die Zukunft der Band. In die das letzte Stück vielleicht schon einen kleinen Ausblick wagt. „Milk And Honey“, eine ambitionierte Post-Party-Ballade vom traurigen Mädchen auf dem Holzfußboden, in der das Piano wirklich mal piano sein darf. Und Jon Fratelli eine gute Frage quält: „Where do we go when the thrills are gone?“ We’ll see.