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Travis Ode To J. Smith


Red Telephone Box

Niedliche Melancholie, knopfäugige Todessehnsucht, schnuffelige Lakonie. Dafür liebte man Travis am innigsten: für ihre himmelstürmenden Melodien, die nur von den darin behandelten irdischen Malaisen am Boden gehalten wurden. Ach, die Dämonen im Geranientopf!

Am zweitinnigsten verehrte man die Schotten für ihre frühe Ungestümheiten, das All I Wanna Do Is Rock-Gedröhn. Auf „Ode To J. Smith“, ihrem sechsten Studioalbum, versuchen sich Travis nach zuletzt milderen, gebügelten Tönen nun noch mal an dieser jugendlichen Quengelig- und Raubautzigkeit. Erstmals seit „Good Feeling“ hat die Band ihre Lieder wieder auf der E-Gitarre geschrieben und in zwei Wochen weitgehend live eingespielt.

Das Cover suggeriert heftige Stilturbulenzen – statt verwaschener Träumerle – Landschaftsaufnahmen ziert es ein gemaltes Auge im Seventies-Stil. Das Lied „J. Smith“ schockt dann gleich total: ein kleines Plemplem-Stückchen, in dem Schnoddergitarren und ernsthaftes yeah-yeah in schwurbelige Chöre wie aus der Kaffeewerbung übergehen. Man wird über der Frage fast narrisch, woher man die ersten Strophenriffs kennt (tatsächlich aus der Titelmelodie von „Flight Of The Conchords?“).

Profanität und Erhabenheit gehen hier eng umschlungen, ganz im Sinne des erdachten Allerweltscharakters J. Smith, einer Art Themenfigur des Albums: Ein „man in the street“, der freilich auch seine operettenhaften Abgründe kennt- auch der außerirdische „Doktor“ der britischen Serie „Dr Who“ nennt sich John Smith, wenn er vorgibt, ein gewöhnlicher Mensch zu sein. Selbst wenn sich nach „J. Smith“ die Exzentrik in Grenzen hält: Kantiger, knurriger, knochiger klingen Travis, ohne kopflos davon zu stürmen.

Fremdeln muss man freilich nicht: Zwischendurch schnurrt Fran Healy kokett niedergeschlagen im großartigen „Broken Mirror“, und das banjoselige, gockelige „Last Words“ ist reinster Travis-Trademark-Treibholz-Schmacht: „I feel like a little ship out on the ocean.“ Erhaben segelt „Song To Self“ dahin, bis es rumpelnd explodiert. Etwas dicke kommt es im leicht übersüßten „Friends“: Wer kocht dir Kaffee und macht dir das Bettchen und ist immer für einen da? Die lieben Freunde, die dich nie verlassen, uuh-hu!

Die ganz großen, kompromisslosen Hymnen fehlen auf „Ode to J. Smith“, das eher wie eine Sammlung von milde abweichlerischen Möglichkeiten als wie ein durchdachtes Konzept wirkt. Das Wiegenlied „Before You Were Young“ feiert zum guten Schluss mit Tschingderassa-Gong und kindlichen hands/dance/chance-Versen die alltäglichen Schönheiten: Tränen wischen, Holz nachlegen. Abermals gilt: What’s a wonderwall anyway? (Red Telephone Box/Universal)


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