Ronnie Biggs ist tot: Der Gentleman unter den Ganoven


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Er sah sich selbst gerne als den Gentleman unter den Ganoven („the gentleman of crooks“), erlangte 1963 durch den Raub eines Postzugs, der sich auf dem Weg von Glasgow nach London befand, Berühmtheit und wurde vor allem durch seine Flucht vor den Gefängnissen dieser Welt ins brasilianische Exil legendär. Nun ist Ronald „Ronnie“ Biggs 84-jährig verstorben.

Genau 50 Jahre ist der Überfall auf jenen Postzug mittlerweile her, bei dem Ronald Biggs mehr Komplize als Federführer war. Für letzteres zeichnete sich Bruce Reynolds verantwortlich – der obskure Ruhm und das Scheinwerferlicht sollte in den nächsten Jahren medial aber weniger Reynolds als Biggs gelten. Rund 2,6 Millionen Pfund hatten Biggs und seine Komplizen damals erbeutet, nachdem sie Lokführer Jack Mills, damals 57, mit einer Eisenstange niederschlugen (Mills soll sich bis zu seinem Tod davon nie mehr psychisch erholt haben) – heute wären das circa 50 Millionen Euro – und ihren Coup über die Bühne brachten. Die Fahndung war langwierig, ein Jahr später sprach der Richter schließlich die Haftstrafen aus. Biggs bekam drakonische 30 Jahre.

Lange hielt er es im Gefängnis nicht aus: Nach rund fünfzehn Monaten flüchtete er und nahm, das Gesicht frisch operiert, den Umweg über Melbourne nach Brasilien. Dort wurde er eine Art verklärte Kultfigur, ein Ruf, den Biggs – der in Brasilien keinem Beruf nachgehen durfte und sich somit sein Geld mit Legendenpflege verdiente – sichtlich genoss. Mit den Sex Pistols sang er 1978 auf der Single „No one is Innocent„, 1991 besuchten ihn Die Toten Hosen in Rio De Janeiro um mit ihm den Song „Punk Was (Carnival in Rio)“ für ihr Album „Learning English Lesson One“ aufzunehmen.

Es war sein Kollege des Postraub-Coups, Bruce Reynolds, der Biggs 2001 aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands überredete, nach England zurückzukehren um dort seine Haftstrafe abzusitzen. Den Privatjet nach Hause zahlte die „Sun“, als Gegenleistung bekam sie die Exklusivrechte. 2009 wurde Biggs begnadigt und aufgrund seines Gesundheitszustandes – Biggs erlitt mehrere Schlaganfälle – aus der Haft entlassen.

Er verstarb am 18. Dezember 2013 – gute zehn Monate nach dem Tod von Reynolds – in East Barnet, London.