Was ist, wenn Schauspieler während einer Sexszene erregt sind?
Was im Kino erotisch wirkt, ist bei den Dreharbeiten oft harte Arbeit. Dennoch kann es vorkommen, dass die Natur ihren Lauf nimmt.
Schon seit einigen Jahren sind vor allem in Hollywood so genannte Intimitätskoordinatoren am Set verantwortlich dafür, dass bei Sexszenen nichts Unvorhergesehenes passiert. Schon die Berufsbezeichnung klingt dermaßen wenig nach dem, was simuliert werden soll, dass sich schwer ein „Lust-Unfall“ vorstellen lässt. Und doch kommt es v or, dass Schauspieler beim Dreh erregt werden.
David Thackeray, tätig als Intimitätskoordinator für Netflix, Warner Bros., Apple TV, BBC und HBO, gibt nun einen seltenen Einblick, was in solchen überraschenden Situationen zu tun ist. Im Gespräch mit „Business Insider“ sagte er, dass das zunächst einmal völlig normal sei und öfter vorkomme. Schauspieler seien während der Dreharbeiten zu Sexszenen „körperlich und geistig sehr gefordert, ergänzte er – und das sei auch der Grund, warum es vorkomme.
Wenn es passiert, wird die Produktion sofort unterbrochen. Thackery: „Wir machen einfach ganz klar, dass das nichts Besonderes ist und dass das Schlimmste, was man tun kann, ist, einfach weiterzumachen. Also nennen wir das eine ‚Auszeit‘. Wir geben ihnen fünf Minuten, dann komme ich rein und schaue nach … Dann machen wir weiter, wenn sie bereit sind.“
Thackery fügte hinzu, dass Schauspieler im Voraus darauf hingewiesen werden, dass dies passieren kann. Das Team werde deshalb schon vorab aufgeklärt, dass es wichtig ist, „nicht zu glotzen“ oder „eine große Sache daraus zu machen“. Gleiches gelte auch für die Crew, die in einer solchen Situation ebenfalls eine „Auszeit“ verlangen könne. Thackeray: „Ich erkläre auch der Crew, was sie erwartet, so dass alle wissen, welche Szene gedreht wird und welche Nacktszenen zu sehen sein werden. Man will nicht, dass sie überrascht sind.“
Nacktheit am Set wird gut vorbereitet
Während so manche Szene im fertigen Film heiß wirkt, gilt das für die Schauspielerinnen und Schauspieler bei den Dreharbeiten, zumindest in Hollywood, in aller Regel sowieso nicht. Laut „Backstage“ gibt es eine Reihe von Maßnahmen, um die Sicherheit und das Wohlbefinden der Darstellerinnen und Darsteller zu gewährleisten und ihre Choreographie zu erleichtern.
Noch bevor die Szene überhaupt gedreht wird, treffen sich die an einer Sexszene beteiligten Parteien einzeln mit dem Intimitätskoordinator. Hier wird vorab sichergestellt, dass sich der Beteiligten in der Szene sicher fühlen. Grenzen und andere Bedenken werden hier deutlich gemacht. Manches muss aber auch ausgespart werden.
Anschließend klärt der Intimitätskoordinator gemeinsam mit einem Choreografen am Set, was in der Szene passieren darf und was nicht. Es wird besprochen, welche Körperbereiche die Schauspielerinnen und Schauspieler gerne zeigen und berührt haben möchten und welche Grenzen sie beim Drehen einer Sexszene haben.
Guter Klebstoff ist alles
Backstage werden dann einige Vorkehrungen für die Nacktheit vor der Kamera getroffen. Es gib Ganzkörper-Make-up, das bestimmte Körperteile vor der Kamera abschirmt und den Kontakt von Genitalien verhindert. Trägerlose Strings (Shibues und Hibues) schützen den Schambereich. Sie haften direkt am Körper und erzeugen die Illusion von Nacktheit. Für all die Neurotiker, die es jetzt interessieren sollte: Obwohl der Klebstoff ziemlich stark ist, lässt er mit Babyöl entfernen.
Im „Backstage“-Bericht erklärt eine Intimitätskoordinatorin, dass bei den Strings noch ein Silikonschutz darunter gelegt wird, damit alle wie Barbiepuppen aussehen. Männer können sich alternativ dafür entscheiden, einen „Sock“ zu tragen. dabei handelt es sich um einen hautfarbenen Beutel mit Kordelzug, der den Penis und die Hoden umschließt. Frauen können zudem Pasties über ihren Brustwarzen nutzen.
Was in TV und Kino also ziemlich unmaskiert und manchmal wild daher kommt, bedarf am Set viel Vorarbeit und Verkleidungstechnik. Und wenn doch einmal das Leben seinen Lauf nimmt, gibt es eine „Auszeit“.